Es war nicht alles schlecht

Nein, in diesem Beitrag soll es nicht um Autobahnen gehen, sondern um das Heimspiel gegen Kaiserslautern. Ich war komplett ohne Erwartung in das Stadion gegangen: Die letzten Spiele hatten nicht gerade eine Erwartungshaltung befeuert. Keine allzu große Klatsche und ich wäre zumindest halbwegs zufrieden gewesen. Es hatten sich viele Lauterer mit in die Gegengerade geschummelt, aber erwartungsgemäß wurden sie freundlich aufgenommen. Weniger freundlich war, was ich von den anderen Paulianern auf der Gegengerade zu hören bekam. Das Meckern ging eigentlich schon bei Anstoß los, obwohl noch niemand die Chance hatte, große Fehler zu machen. Vor allem aber kämpften unsere Jungs verbissen und gerade die erste Viertelstunde machte Hoffnung, dass doch der ein oder andere Punkt drin wäre. Vielleicht ist es nur ein Zufall, aber vor dem Besuch der Nord war die Stimmung um mich herum immer deutlich positiver gewesen.

Das Motto der Süd „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ war vollkommen richtig. 
Vor Anpfiff wurden einige „23“ – Schilder hochgehalten, was später ein Omen sein sollte. Natürlich stand die 23 für Deniz Naki, obwohl erschreckend viele Fans nachfragen mussten, was das denn bedeuten sollte. Übrigens einer Forderung, der ich mich anschließen kann. Nicht, weil ich glaube, das Deniz eine sofortige Qualitätssteigerung bringen würde, sondern weil man den Jungen nicht einfach im Stich lässt. Selbst wenn es nicht sofort für die erste Mannschaft reichen sollte, ist es das Risiko wert, ihn aufzupäppeln. Das Motto der Süd „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ war vollkommen richtig. Und auf dem Platz wurde das auch umgesetzt. Der Einsatz stimmte auf jeden Fall, vor allem in der Vorwärtsbewegung war diesmal auch vieles Richtig; Das Spiel fand zunächst fast nur in der gegnerischen Hälfte statt. In der 22.ten Minute traf dann eben doch der Gegner: Natürlich ärgerlich, aber mit Lautern stand nun mal auch ein wirklich starkes Team auf dem Platz, welches auch die Kunst des geschickten Fallens bis zur Perfektion einstudiert hatte.

Die Verteidigung muss endlich aufhören ständig einzupennen 
Zu diesem Zeitpunkt war meine anfängliche Erwartungshaltung längst verflogen und ich erwartete aufgrund der Leistung auf dem Platz mindestens einen Punkt. Leider machte ein übler Fehlpass von Bentley Baxter Bahn dem einen Strich durch die Rechnung. Doppelt ärgerlich. Zum einen, weil dies das zweite Gegentor bedeutete und zum anderen, weil der Junge bis dahin ganz ordentlich gespielt hatte. Als es dann mit 2:0 in die Halbzeit ging gab es vereinzelt Pfiffe zu hören. Für mich ein Unding, denn die Jungs haben mächtig gefightet. Als zum Beginn der zweiten Halbzeit erneut die 23 hochgehoben wurde, fand ich das ehrlicherweise zu viel. In der zweiten Halbzeit wurde der Druck mächtig erhöht und eigentlich spielte nur eine Mannschaft. Der Anschlusstreffer – ausgerechnet von der 23 Marcel Halstenberg – war mehr als verdient. Sollte es vielleicht doch noch einen Punkt geben? Der Spielverlauf hätte es auf jeden Fall verdient gehabt, denn es wurde mit dem Messer zwischen den Zähnen gekämpft, lediglich die Abschlüsse landeten meist weit im Hamburger Himmel. Dann kam, was eigentlich immer kommt, wenn man kämpft, aber die Dinger nicht reinmacht: Lautern erhöhte auf 1:3 und die Sache war gelaufen.

Mein Eindruck ist ziemlich zwiegespalten. Entgegen einigen Nordnörglern um mich herum fand ich das Spiel absolut nicht „total Scheiße“. Im Gegenteil: Die Zweikämpfe wurden verbissen geführt und waren auch oft erfolgreich. Über weite Strecken wurde Lautern an die Wand gepresst. Wenn wir das konsequenter durchhalten und vorne die Dinger auch mal reinmachen, kann es wieder bergauf gehen. Dazu muss aber auch die Verteidigung aufhören ständig einzupennen. Gute Aktionen lösten sich leider viel zu oft mit Ballverlusten ab, die komplett vermeidbar gewesen wären. Klassischer Fall: Gegner kommt von hinten und klaut sich den Ball. Das gab es viel zu oft.

Vielleicht bin ich mit meiner Meinung ja alleine, aber trotz der 1:3 Niederlage bin ich deutlich optimistischer als vor dem Spiel. Natürlich brauchen wir Punkte, um da unten rauszukommen, aber der Einsatz stimmt. Als Schachten sich am Ende aufs Logo drückte war das ehrlich gemeint: Der Junge lebt St. Pauli, und ich hatte das Gefühl, dass er diesmal viele auf dem Platz mitreißen konnte.

Vor dem Spiel Banner zu basteln, um die eigene Mannschaft beschimpfen: Bei Dynamo Dresden hat man damit wenigstens bis zum letzten Spieltag gewartet.
Um so ärgerlicher war das Transparent einiger Spaten auf der Süd am Ende des Spiels: „Ist das Euer Ernst?Seriously? Nach dem Einsatz auf dem Platz zeigt Ihr so Euren „Support“? Auch wenn ich mir damit keine Freunde mache: Fickt Euch! Bleibt zu Hause, geht nach Stellingen oder macht irgendwas anderes, wo Ihr dem FC St. Pauli nicht weiter schaden könnt. Vor dem Spiel Banner zu basteln, welche die eigene Mannschaft beschimpfen: Bei Dynamo Dresden hat man damit wenigstens bis zum letzten Spieltag gewartet. Ich kann mir bildlich ausmalen, wie enttäuscht Ihr nach dem Anschlusstreffer wart, weil Ihr befürchten musstet, Euer schönes Plakat nicht zeigen zu können.

Mein Fazit lautet also: Die Mannschaft hat heute gezeigt, dass sie bereit ist, sich aus dem Keller zu befreien. Teile der „Fans“ sind leider in der Regionalliga gelandet.

Das Titelbild stammt von Anna O. (CC BY-NC-SA)

(Update: Sorry für den Dynamo-Vergleich. Der war tatsächlich daneben. Zu dem Rest stehe ich aber weiterhin)

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.