Es waren MOPO – Hooligans!

Es gibt durchaus Sachen im Leben, die kommen relativ überraschend. Die Tabellenplatzierung des magischen FC beispielsweise habe ich am Anfang der Saison völlig anders erwartet. Oder Deniz Naki am Millerntor (erstmal nur) bei den Höllenhunden. Oder ein neues Präsidium. Und dann gibt es sogar Sachen, die kann man sich kaum ausmalen, weil sie so absurd sind. Heute gab es so eine Sache:

Die MOPO führt Bezahlschranken für ihren Internetauftritt ein

Vielleicht ist es pure Not, weil das Leistungsschutzrecht nun doch nicht Millionen in die Kassen gespült hat.

Als das Hamburger Abendblatt damit anfing war auch von mir nicht wenig Kritik und Häme zu lesen. Und das ist auch – aus guten Gründen – nicht weniger geworden. Zumal ich mich erst kurz zuvor damit abfinden musste, dass die Qualität tatsächlich sinken kann, wenn Springer das Blatt verlässt. Da ist ein Teil meines Weltbilds zerbrochen. Zumindest äußerlich versucht das Abendblatt ja durchaus einen seriösen Anschein zu erwecken, so dass nach der Logik eine Bezahlschranke tatsächlich funktionieren könnte.

Aber welchen Mehrwert könnte die Mopo ihren Lesern bieten, damit sie für die Online-Artikel zahlen? Vielleicht ist es pure Not, weil das Leistungsschutzrecht nun doch nicht Millionen in die Kassen gespült hat.  Nun kann man die Verantwortlichen bei der Mopo selbst fragen. Dann bekommt man folgende Antwort:

Frank Niggemeier, MOPO
Bei diesen Premium-Inhalten handelt es sich um lokale Service-Geschichten mit klarem Nutzwert, um Hintergrund-Geschichten, die es so nur bei MOPO.de gibt, um exklusive Reportagen und Interviews.

Journalistische Glanzleistungen, die nicht umsonst mehrmals mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurden
Aha. Die berühmten Mopo- Hintergrundgeschichten. Ja. Dafür ist die Mopo ja berühmt. Gut recherchierte Beiträge mit lokalem Bezug; Journalistische Glanzleistungen, die nicht umsonst mehrmals mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurden. Um es zu konkretisieren lass ich gerne noch einmal Chefredakteur Frank Niggemeier zu Wort kommen:

Frank Niggemeier, MOPO
Damit machen wir deutlich, dass unsere mit viel Aufwand erstellten journalistischen Inhalte einen Wert haben.

Ich sehe ein, dass ich mit diesem Artikel kaum eine Chance als Redakteur bei der Mopo hätte, denn ich habe tatsächlich die Betroffenen zu Wort kommen lassen. Das widerspricht natürlich der Mopo-Charta in eklatanter Weise. Denn nur so kommen Perlen wie „Es waren St. Pauli Hooligans“ zustande. Als im Januar mit Fakten untermauert erstunken und erlogen wurde, dass St. Pauli – Fans Polizisten auf der Davidwache angegriffen hätten, fühlte sich auch der Verein schließlich genötigt, den Artikel zu bestätigen zu kritisieren:

Präsidium des FC St. Pauli
In reißerischer und undifferenzierter Art und Weise wurden Anhänger des FC St. Pauli auf der Titelseite als Täter der Angriffe auf die Davidwache benannt und für die Vorfälle verantwortlich gemacht. Derzeit gibt es auch nach Rücksprache mit Polizei und Verfassungsschutz keine Beweise für eine Beteiligung von Personen aus dem Vereinsumfeld an den Vorfällen.

Und Überraschung: Auch bis heute gibt es solche Beweise nicht.

Sollte die Mopo es tatsächlich schaffen, dafür 100 Euro einzunehmen beende ich jede Hoffnung auf vorhandene Intelligenz der Hamburger Leser.
Wozu soll man als geneigter Online-Leser denn nun bezahlen? Selbst wenn die Mopo nicht so eine bekannte Vergangenheit hätte und man völlig unbedarft an die Sache ginge: Die Mopo ist Gossenjournalismus in Tradition von Bild und Co. Sie ist nicht die einzige Boulevard-Zeitung; Vermutlich nicht mal die Schlimmste, aber eben doch nur eine unter vielen. Wer auf Aufmacher-Themen wie „Schwedin bleibt in Spülmaschine hängen oder „Jennifer Aniston: Hoppla, was ist mit ihrem Busen passiert?“ (Beides Top-Stories der heutigen Ausgabe) nicht verzichten kann, wird mehr als genug andere Seiten finden, die solchen Qualitätsjournalismus anbieten. Google sei Dank. Wem das noch zu intellektuell ist, kann auch direkt nach Facebook gehen. Da werden solche Themen von heftig.co und anderen Clickbaitern regelmäßig weitergeteilt.

Also selbst wenn ich versuche mich in die Kundschaft hineinzuversetzen: Sollten mich solche Inhalte interessieren, finde ich sie kostenlos im Netz, bevor ich dreimal laut „Boulevardzeitung“ sagen kann. Sollte die Mopo es tatsächlich schaffen, dafür 100 Euro einzunehmen beende ich jede Hoffnung auf vorhandene Intelligenz der Hamburger Leser. Und fresse einen Besen spende ebenfalls 100 Euro den Kiezhelden. Dann wäre wenigstens etwas Geld sinnvoll ausgegeben.

 

P.S: Das Foto zeigt den Übersteiger 114. Was der Übersteiger ist und warum man ihn lesen sollte, brauch ich Euch ja ohnehin nicht erzählen.

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.