Erz-Schmerz am Millerntor

Gut. das Wetter war eine Stunde vor Anpfiff schon mal ziemlicher Mist. In dem Moment, wo die ersten Leute eingelassen wurden fing es an zu regnen. „Na, wenigstens kann man bei Regen zeigen, dass man kämpfen kann“ meinte mein Vordermann in der Schlange. Und ganz Unrecht hatte er da wohl nicht. Aufgrund des Regens bin ich Weichei deshalb auch ein Stückchen nach oben gewandert. Nicht ganz so nahe am Spielfeld aber dafür etwas mehr Übersicht. Ein guter Platz  am Metalleck, den ich jedoch schnell räumen musste, da ein Vater seine Lütte da gerne hingestellt haben mochte. Kein Ding. Man hilft ja gerne, wobei die Lütte vermutlich da auch nicht wirklich viel gesehen hat.

ein schöner Tribut an das Spitzohr
Das erste positive an diesem Tag war neben dem weniger werdenden Regen, dass „If I had a Hammer“ gespielt wurde. Normalerweise nicht das Standardrepertoir am Millerntor. Es ist aber nicht nur so, dass die alte Version von Trini Lopez gut gefällt. Die heutige Version stammte von Leonard Lemoy. Zugebenerweise nicht ganz so gut wie die Version von Lopez, aber ein schöner Tribut an das Spitzohr.

Die Stimmung war prinzipiell recht positiv. Ich – und andere – hatten ein gutes Gefühl. Das Ewald nochmal kräftig Damn abgelassen hatte gefiel mir. Das sollte heute ein ordentliches Spiel werden. Weniger gefallen hat mir, dass Ratsche auf der Bank saß. Wenn von mir jemand einen Namen verlangt hätte, den ich mit Kampf und Einsatz bei St. Pauli verbinde hätte ich ohne nachzudenken „Marc Rzatkowski“ gesagt. Und das in Kombination mit einer feinen Technik. Ihn nicht auf dem Platz zu sehen war etwas befremdlich.

Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass wir die Chancen kläglich vergeben
Irgendwie scheint es immer die gleiche Leier zu sein, aber der Start ins Spiel gefiel mir sehr gut. Es ging ordentlich nach vorne und gute Chancen waren auch vorhanden. Leider – als sei es ein Naturgesetz – auch kläglich vergeben.

In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel deutlich schlechter. Nöthe versemmelt so ziemlich alles, was man versemmeln konnte. In Minute 52 war es dann soweit. Der Auer Spieler stand alleine vor Himmelmann und musste ihn nur noch reinschieben…

Ich dachte, sowas können nur wir!
…Sekunden später schauten sich alle fassungslos an. „Der hat jetzt nicht wirklich daneben geschossen, oder?“ – „Hat der echt NEBEN das Tor…?“ – „Ich dachte, sowas können nur wir!„. Selten war ich so froh, dass unser Gegner genauso unvermögend war wie wir. Eine Viertel Stunde vor Schluss kamen dann doch noch Ratsche und Verhoek auf das Spielfeld und hauten sich gleich richtig rein. Rein subjektiv betrachtet erkannte ich sofort den Unterschied. Bälle, die vorher aufgegeben worden waren holte Ratsche sich wie ein Terrier doch noch zurück. Das Spiel hatte deutlich mehr Zug und dass Verhoek das Tor traf verhinderte nur (mal wieder) der Pfosten.

Ein Punkt ist deutlich zu wenig. Vor dem Fürth-Spiel habe ich gesagt: „Wenn wir die nächsten drei Spiele keinen Punkt bekommen, steigen wir ab.“. Ich bin ja einigermaßen froh, dass es nicht so gekommen ist. In München habe ich noch eine deutlich bessere Mannschaft gesehen, die unglücklich verloren hat. Heute waren das eher zwei Mannschaften auf  (sehr niedriger) Augenhöhe. Der Punkt heute ist ein Strohhalm. Ein sehr kleiner Strohhalm, aber immerhin ein Strohhalm.

Nur eine Bitte, Ewald: Warte nie wieder bis kurz vor Ende bis Du Ratsche rein holst. Cooper dürfte auch gerne öfter spielen. Das sah schon ganz ordentlich aus.

 

Das Titelbild zeigt übrigens heute das trampende Brot #hitchbread. Wenn Ihr es in Hamburg seht, nehmt es doch ein Stückchen mit… 

 

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.