Uns geht es blendend!

Profis der Gegengerade kennen eines der wichtigsten Utensilien bei einem Freitagsspiel: Die Schirmmütze. Alternativ kann notfalls auch eine Sonnenbrille herhalten. So war auch der Schreiber dieser Zeilen mit einer kubanischen Kopfbedeckung ausgestattet, während er sein Fahrrad über den Dom geschoben hatte. Fahrrad erschien die ganz logische Wahl zu sein. Schließlich würde der FC St. Pauli mal wieder hoch gewinnen, was fürs Torverhältnis tun und es hinterher eine Menge zu feiern geben. Und das verträgt sich nun mal überhaupt nicht mit dem Steuern eines motorisierten Fortbewegungsmittels.

Wenn Sobiech unglücklich in die Trainerbank fällt, dann sägt er die Enden ab und spielt mit dem Brett quer durch die Brust
  Das Stadion füllte sich spät, dafür dann aber kräftig. Ein paar dunkle Wolken am Anfang verkrümelten sich schnell kurz nach Anpfiff und die Sonne schien mir ins Gesicht. Dazu noch ein paar kräftige positive Überraschungen was die Aufstellung angeht. Sobiech und Koch spielten beide von Anfang an. Dabei war heute doch noch zu lesen, dass sie verletzungsbedingt fehlen würden. Aber mein Kollege, primär Dortmund-Fan, sonst aber mit überraschend gutem Fußballverstand ausgestattet hatte es ganz korrekt analysiert: Sobiech? Der spielt. Selbst wenn der unglücklich in die Trainerbank fällt, dann sägt er halt die Enden ab und spielt mit dem Brett quer durch die Brust. Und damit lag er komplett richtig. Sobiech hatte kein Brett in der Brust, der Rest aber stimmte. Und er war verdammt wichtig für dieses Spiel.

 

Die ersten 20 Minuten waren eine Qual
Aber von Anfang an: Nachdem wir das unglaublich grottige Lied der Nürnberger überstanden haben, gab es wieder einmal eine schicke Choreo der Süd und richtig gute Stimmung. Das Spiel gegen den KSC hatte glücklicherweise der Stimmung kaum schaden können. Das Geschehen auf dem Platz dafür um so mehr. Seien wir ehrlich: Die ersten 20 Minuten waren eine Qual. Unsere Jungs ließen sich komplett den Schneid abkaufen und kamen kaum aus der eigenen Hälfte. Um mich herum wurde massenhaft genörgelt, vor allem von so einem Halb-Hipster, der eigentlich vom Spiel nicht wirklich etwas mitbekam, weil er mit dem Rücken zu Spielfeld stand, dafür aber total lustige Witze über Choi machte „Der hat bestimmt Sushi in der Tasche“ und so Klassiker wie „Hat jemand ein Kreuzworträtsel? Mir ist langweilig!“ von sich gab. Das brauchte ich heute echt nicht. Genauso wenig, wie seinen Sohn, der sich kontinuierlich beschwerte, dass er nix sehen könne, weil die Sonne blendet. In letzter Zeit habe ich auch immer ein Glück mit den „Spontanbesuchern“. Hoffen wir mal, dass das ein einmaliger Besuch am Millerntor war.

 

Die Mannschaft weigerte sich, den eigenen 16er zu verlassen.
Versteht mich nicht falsch: Der Auftritt war zu Anfang eine Katastrophe. Deutlich mehr KSC als Fortuna. Es tat weh, das mit anzuschauen. Aber der Kerl hielt das Genöhle echt 105 Minuten durch. Und das war dann doch ungerechtfertigt. Bereits die zweite Hälfte der ersten Halbzeit wurde es nämlich besser. Die Mannschaft kämpfte sich aus der eigenen Hälfte und brachte es zu eigenen, guten Chancen. Nach einer halben Stunde gabs dann kurz einen Herzstillstand. Burgstaller hob in unserem 16er ab und der Schiri pfiff. Aber kein Elfmeter: Sondern Gelb wegen Schwalbe. Bravo! Sollte man viel öfter verteilen, damit der Mist endlich aufhört. Leider wurde die Mannschaft zwar besser, aber auch feige. Choi war einige Male völlig alleine vorne und konnte mit guten Konterchancen nichts anfangen, weil der Rest der Mannschaft sich einfach weigerte den eigenen 16er verlassen.

Die zweite Halbzeit begann erst einmal mit stürmenden Nürnbergern und einer guten Chance, die nur der Pfosten verhinderte. Aber dann wurden unsere Jungs deutlich aggresiver. Die Ansprache muss wohl kräftig gewesen sein. Zweikämpfe wurden auch mal gewonnen und dem Gegner klar gemacht, dass es heute weh tut, am Millerntor zu spielen. Lasse machte ein paar furchbare Freistöße, war aber auch unverzichtbar in der Abwehr bei den gefühlt 100 Ecken für Nürnberg. Auf jeden Fall änderte sich mein Gefühl in der zweiten Halbzeit von „Wenn wir hier einen Punkt mitnehmen haben wir ne Menge Glück gehabt“ zu „Von null bis drei Punkten ist heute alles drin“.

 

Auch wir haben endlich mal wieder einen glücklichen Sieg verdient.
In der letzten Spielminute entdeckte ich dann meine hellseherische Fähigkeit. „Alles Klar. Ecke. Sobiech, Kopfball. Tor„. Ich schwör, Diggen! Das waren genau meine Worte. Und genau so kams auch. Song Two kam. Und ein halbvoller Becher, der mir irgenwie von oben auf den Kopf knallte. Schmerzte doch etwas. Aber ganz ehrlich: Ich will keine 8.000 Euro von St. Pauli. Nee. Macht das ruhig öfter. Die Bierdusche, Song Two und vor allem die drei Punkte warens wert.

Der Gegner hatte naturgemäß deutlich weniger zu feiern, aber auch schon während des Spiels war das ganz schön mau. Trotz Trommelunterstützung brachten die Nürnberger Fans ein Repertoire von exakt zwei Liedern: Olé, Olè <irgendwas> und Scheiß St. Pauli. Naja. Kreativität kann man nicht lernen.

Spielerisch war das alles keine Sensation, aber vor allem in der zweiten Halbzeit ganz ordentliche Arbeit. Choi hat mir wieder richtig gut gefallen, aber auch der spät eingewechselte Armando Cooper hat erneut gut gespielt. Schachten hat sich mal wieder richtig reingehauen und Himmelmann richtig gut gehalten. Ein Unentschieden wäre wohl das gerechtere Ergebnis gewesen, aber mal ehrlich: Auch wir haben endlich mal wieder einen glücklichen Sieg verdient.

Das Fahrrad war übrigns absolut die richtige Wahl. Auch wenns nur ein einziges Tor war. Raus aus dem Abstiegskampf. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.
  • Sven Mahler

    Cooper hat gut gespielt ?
    ICH hab noch nichts gutes gesehen von ihm …… OK zu kurze Einsätze um zu sagen er war schlecht ….aber gut ist auf jeden Fall jemand anders …….. Sonst wie immer Klasse geschrieben, Ole !!!

    • Ja, ich kann da Pepes auch nicht folgen. Die Einstellung stmtmie, und das mitten in der Vorbereitung war eine schf6ne Leistung der Jungs in Braun vor allem der Neuen!