Grandiose Zeiten

Was leben wir doch in tollen Zeiten. Kein Krieg, keine Gewalt im eigenen Land, die Politik sorgt dafür, dass Verbrecher dingfest gemacht werden…

Gut. Haut vielleicht nicht so ganz hin. Oder anders ausgedrückt: Ist vielleicht doch genau anders herum. Während in Freital und anderswo tumbe Orks gefahrlos Menschen verprügeln dürfen, während Asylantenheime angesteckt werden, applaudieren indirekt die Politiker, in dem sie den besorgten Bürgern Gespräche anbieten. Offenbar krampfhaft versuchen, Lichtenhagen erneut zu ermöglichen, indem Mitglieder primitiver südlicher Stammesvölker, wie etwa Horst Seehofer lieber darauf aufmerksam machen, dass es den Flüchtlingen unattraktiver gemacht werden muss hier zu bleiben. Klappt ja ganz gut: Die Weltpresse berichtet schon über Flüchtlinge, die zurück wollen, weil sie hier noch mehr Angst um ihre Familien haben, als zu Hause im Kriegsgebiet Syriens. Und die Politik? Wenn sie nicht selber gerade brandstiftet, findet sie das zwar eigentlich irgendwie ganz schlimm, ist aber nicht bereit, ernsthaft etwas zu unternehmen, um die massiv steigende Gewalt von Rechts zu bekämpfen. Klar. Ein Anruf bei Til Schweiger ist schon mal drin, kostet ja nix. Dafür muss man nicht wirklich etwas tun oder sich positionieren. Verständnis zeigen anstatt Stellung zu beziehen.

Sascha Lobo hat völlig Recht, wenn er fordert, das was dort passiert, endlich als das zu bezeichnen, was es ist: Terror von Rechts. Wenn denn doch einmal ein Politiker wagt, sich hinzustellen und einen Hauch von Empathie und Anstand zu fordern, wird sein Auto weggebombt. Wo sind die ganzen Politiker, die vor dem Untergang des Abendlandes gewarnt haben, weil ein paar Radikale den Koran verteilen wollten?

Bei „Bürgerwehren“, die Jagd auf ausländisch aussehende Mitbürger machen, braucht man natürlich seinen Urlaub nicht unterbrechen. Das ist ja ganz normal, schließlich haben die Fackeln tragenden Springerstiefel ja Ängste, die man Ernst nehmen muss.

Ich will aber nicht völlig unfair sein: Es gibt durchaus Straftaten, bei denen das volle Programm aufgefahren wird: Eine Klage wegen Landesverrats! Geht doch! Durch ihre Hetze und Gewalt bedrohen sie nicht nur andere Menschen, sondern zerstören auch unser Bild in der Welt. Der häßliche Deutsche hat ja wieder mal ein Gesicht. Ach? Die Klage geht gar nicht gegen die Hirnlosen, die die Hilfesuchenden lieber heute als morgen herausprügeln wollen? Sondern gegen Netzpolitik.org? Weil sie über Pläne zur Internet-Überwachung berichtet haben? Klar. Da opfert man schon gerne mal die Pressefreiheit. Bei „Je suis Charlie“ war die internationale Politikprominenz übrigens noch medienwirksam in Paris um vor den Kameras die Pressefreiheit zu demonstrieren. Ich habe hingegen weder Merkel, noch Gabriel in Freital für die Flüchtlinge demonstrieren sehen.

Ehrlich: Eure Prioritäten verstehe ich nicht.

 

(Das Bild stammt von Dies Irae>)

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.
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