Danke, Kai Diekmann!

Na, das ist ja mal richtig nach hinten los gegangen. Nachdem der FC St. Pauli zunächst „intern“ seinen Partnern mitgeteilt hat, dass man die Bild-Werbeaktion nicht mit machen wollte, schäumte Kai Diekmann und postete folgendes auf Twitter:

Darüber wird sich die AfD_Bund freuen: Beim sind #refugeesnotwelcome

(Link zu den Schlumpfnazis und zum blöden Hashtag von mir entfernt)

Was folgte war sicherlich teilweise durchaus im Sinne des Bild-Chefredakteurs: Ein Shitstorm allererster Kajüte. Ich glaube aber, dass Diekmann nicht wirklich mit der Stärke gerechnet hat, mit der ihm der Wind entgegen gepustet wurde. Nicht nur in sozialen Netzwerken, auch vierschiedene Redaktionen, von taz (sowieso), über den BR, bis hin zum Diekmann-Fanclub „Meedia“ kommentierten, dass es Bild ganz offensichtlich nicht um Hilfe, sondern nur ums eigene Image ginge. In Kombination mit einem überhöhten Egos des Chefredakteurs.

Er versuchte es noch eine Zeitlang mit seiner üblichen Taktik: Beißender Ironie. Doch dieses Mal hat sich das herauswinden „War doch alles total ironisch“ schlicht nicht mehr funktioniert. Zu tief war der Einblick in sein Seelenleben.

Die Fans so ziemlich aller Bundesliga-Vereine waren sich schnell einig, wie damit umzugehen sei. Vom Vorstadtrivalen angefangen bis zum BVB, der erst vor kurzem zusammen mit St. Pauli ein echtes Signal für RefugessWelcome gezeigt hat: Die Fans all dieser Vereine wollten sich nicht mehr vor den Karren der Bildzeitung spannen lassen. Sollte es wirklich noch jemand gegeben haben, welcher trotz klarer Anzeichen der Bild das Engagement abgekauft hat, jetzt war es vorbei.

In der zweiten Liga haben sich mittlerweile einige Vereine abgewandt von Kai Diekmann und seiner Bild. St. Pauli, Kaiserslautern, Bochum, Union Berlin, … mittlerweile haben Acht Zweitligisten in ihren Begründungen teils diplomatisch, teils sehr deutlich gesagt, warum sie nicht mit machen wollen.

Während sich die Erstligisten größtenteils winden, hat die zweite Liga in großer Zahl gezeigt, was eine Harke ist. Und – obwohl ich mich persönlich freue, wenn das Hetzblatt in die Schranken gewiesen wird; Eines freut mich noch deutlich mehr:

Die Absagen waren durch die Bank begründet mit der Tatsache, dass man lieber echte Hilfe für die Flüchtlinge bietet, anstatt ein Lippenbekenntnis zur Schau zur tragen. Und immer wurden Beispiele aufgelistet, wie man – ganz konkret – vor Ort Hilfe organisiert.

Und hier kommt mein „Danke“ ins Spiel. Natürlich war das nicht gewollt und macht den verdorbenen Charakter von Diekmann kein wenig besser: Aber wenn dieser Streit dazu führt, dass die Vereine sich genötigt sehen, mehr zu leisten, wenn ein „Wettbewerb“ entstünde, echte, praktische Hilfe zu bieten, dann wäre das eine grandiose Sache. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die „Verweigerer“ haben bereits vor der Bild-Aktion geholfen und nicht erst jetzt eine Alibi-Hilfe entdeckt. Und auch Andere, die sich nicht dazu durchringen konnten die Bild abzuweisen, so wie z.B. Dortmund haben Hilfe geleistet, die weit über „Image-Aktionen“ herausreicht. Dennoch: Echte Hilfe wird von den Fans honoriert. Es zeugt nicht nur von gutem Charakter, es lohnt sich auch.

Und so ganz nebenbei bekommt man dadurch vielleicht ja auch die Rechten aus den Stadien. Oder um es mit den Ärzten zu sagen: Ich wünsche ihnen eine schlechte Unterhaltung.

 

Das Titelbild „Friede sei mit Dir“ stammt von Gertrud K (CC:BY-SA 2.0) 

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.
  • Ilja Stankowitz

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