Powerplay, Schwindsucht und blutige Anfänger

Montagsspiele. Bäh. Voll doof. Siege feiern geht nur beschränkt und macht auch sonst wenig Spaß direkt nach der Arbeit ins Stadion zu gehen anstatt am Wochenende. Was solls. Wenigstens das Wetter war überraschenderweise die kompletten zwei Spielhälften trocken. Das Stadion war auch noch trotz des blöden Termins komplett ausgebucht. Erst nachdem ich die Zusammenfassung im Anschluss im TV gesehen habe, erfuhr ich übrigens, dass es heute eine Lautstärkemessung (Umweltauflagen) geben sollte. War aus der Hinsicht wohl eher kontraproduktiv, dass ich mich heiser gebrüllt habe.

Ewald schien heute experimentierfreudig zu sein
Aber der Reihe nach: Nachdem ich meine Feierabendbratwurst aufgegessen, die neu designten Becher bestaunt habe und Ewald uns mal wieder vor Anpfiff ordentlich aufgepuscht hat, brodelte die Stimmung von Anfang an. Die Gästefans versuchten mit Trommeln gegenzuhalten, hatten aber eigentlich keine Chance gegen unsere Wechselgesänge, die – natürlich – ohne akustisches Doping auskamen. Bei der Vorstellung der Spieler waren die Tafeln für Jeremy Dudziak, Marc Hornschuh und Fabrice Picault noch gar nicht fertig gepinselt. Kann mich nicht dran erinnern, das jemals so erlebt zu haben. Zwei neue in der Startelf also, einen auf der Bank. Ewald schien heute experimentierfreudig zu sein.

Auf dem Platz war die Marschroute schnell zu erkennen: Mit ordentlich Druck nach vorne den Gegner möglichst gar nicht erst ins Spiel zu lassen. Das klappte auch relativ gut. Zumindest solange das grottenschlechte Schiedsrichtergespann nicht dazwischenfunkte. Auch wenn ich in der letzten Zeit des Öfteren über die Schiris geschimpft habe: So schlimm war es wirklich noch nie. Die Abseitsregel war dem Linienrichter vor der Gegengerade beispielsweise offensichtlich gar nicht bekannt. Und als er denn einmal – korrekterweise – ein Handspiel des Gegners richtig erkannte, sich dabei fast die Arme rausriss, als wie verrückt mit der Fahne wedelte, war der Schiedsrichter anderer Meinung, ließ weiterspielen und verschaffte dem Gegner damit eine gefährliche Chance.

Der Gegner schien sich gut darauf einstellen zu können, litt unter spontaner Schwindsucht und bekam dafür fast immer einen Freistoß. Ich will nicht lügen: Auch unsere Jungs nutzten die Kleinlichkeit des Schiedsrichtergespanns einige Male aus.

So ganz allmählich kamen wir aus dem Dauerstöhnen gar nicht mehr raus
Wenn wir auch den Gegner gut beschäftigten und sogar überraschend gut bis zum gegnerischen 16er kamen: So richtig zwingendes war nicht dabei. Insbesondere hohe Bälle in den gegnerischen 16er landeten fast immer direkt beim gegnerischen Torwart oder beim Abwehrspieler. Für mich unbegreiflich, war doch nur wenige Spiele zuvor jeder Ball eine Gefahr, wenn denn nur Lasse Sobiech in der Nähe war. Diesmal war da wirklich einfach nur: nix.

So ganz allmählich kamen wir aus dem Dauerstöhnen gar nicht mehr raus, wenn wieder einmal eine gute Chance versemmelt wurde.

Und in der 30sten hatten wir dann auch noch einmal richtig Dusel, als ein toller Schuß nur am Pfosten landete. Himmelmann hätte nicht den Hauch einer Chance gehabt.

Das war vielleicht ein kleiner Weckruf, denn danach wurde es etwas besser. Es gab ein paar gute Chancen. Nur die Abschlüsse waren eher nicht so berauschend. Und dann eine Szene, für die in Bayern sicher ein Elfer gepfiffen wäre. In Hamburg reichte das leider nicht. Zumindest noch nicht… Aber seien wir ehrlich: Das war insgesamt auf sehr überschaubarem Niveau.

Chéwald spielte mehrmals das HB-Männchen
Die zweite Hälfte fing flott an, aber der Esprit war auch nach wenigen Minuten wieder verflogen. Vor allem wurden gute Angriffschancen immer wieder verschleppt, als wäre Nöthe höchstpersönlich noch auf dem Platz. Das war eigentlich nicht wirklich schön anzusehen. Zudem kam der Gegner einige Male gefährlich vor unser Tor, hatte mehrmals Überzahl. Zum Glück – und ich kann es nicht anders ausdrücken – waren die Angreifer von Duisburg dankensweise so unsagbar unfähig. Jeder andere Gegner hätte uns da ein paar Dinger eingeschenkt.

Chéwald spielte derweil mehrmals das HB-Männchen. Das gefiel im offensichtlich überhaupt nicht, was da auf dem Platz abging. Ob er sein Notzibuch gefressen hat, konnte ich nicht genau erkennen. In der 68isten haben wir dann gezeigt: Was die Bayern können, können wir schon lange: Wobei es bei uns ja nicht einmal eine versuchte Schwalbe war. Ein normales Kopfballduell sorgte für ein Elfmeter für uns. Nachdem der Coach der Duisburger nach Protesten auf die Tribüne musste semmelte Lasse das Ding eiskalt rein! 1:0! Ganz ehrlich: Da hat man ja fast ein schlechtes Gewissen. Aber eben auch nur fast.

Kurz danach kam dann „That’s the way we like it“ von den Rängen. Um ehrlich zu sein: Fühlte ich nicht so ganz. Der Ausgleich lag in der Luft. Ab Minute 83 war der Gegner verletzungsbedingt nur noch mit 10 Mann auf dem Platz und endlich gab es Platz für uns. Fafa beendete dann drei Minuten vor Schluss ein schönes Solo mit einem Pass auf Maier, der das Ding direkt aufs Tor brachte. Nicht unhaltbar, aber heute reichte es. 2:0! Endlich konnte ich durchatmen. Das Ding war durch. Der Schiri verteilte dann noch eine kleinliche gelbe Karte für den Gegner und ließ gerade mal zwei Minuten nachspielen. Eigentlich auch ein Witz, wenn man die Unterbrechungen zählt. Aber wer bin ich, dass ich mich beschwere? Ist doch schön wenn wir auch mal einen Vorteil daraus ziehen.

so dreckig wie das Gesicht eines Kleinkindes, dass zum ersten Mal Nutella probiert
Mein Fazit: Die Neuen haben ganz ordentlich gespielt, keine bösen Fehler gemacht und teilweise (vor allem Jerry und Fafa) gezeigt, dass sie technisch eine Menge zu bieten haben. Was aber ganz offensichtlich fehlte war das Teamplay, die Eingespieltheit. Vielleicht hat Ewald je bewusst gegen einen schwachen Gegnern versucht, die unerfahrenen ins kalte Wasser zu schmeißen, auch um in den englischen Wochen mehr Möglichkeiten zu haben. Hat gerade mal so eben geklappt. Und nur mit kräftiger Hilfe des Schiedsrichtergespanns. Was solls: Wir hatten auch oft genug Pech. Manchmal muss es eben auch mal ein dreckiger Sieg sein. Und der war so dreckig wie das Gesicht eines Kleinkindes, dass zum ersten Mal Nutella probiert. Positiv war auch wieder Philipp Ziereis. Er hat sich in den letzten Spielen gewaltig gesteigert und die Rolle von Gonther gut übernommen.

Vielleicht hilft es sogar ein wenig auf dem Teppich zu bleiben. Denn das wir so auf den Aufstiegsplätzen eigentlich nichts zu suchen haben sollte klar sein. Oder es ist sogar alles ganz anders und Ewald hat gewusst, dass Torsten Lieberknecht von Braunschweig im Stadion zuschaute und wollte ihn nur in Sicherheit für das nächste Auswärtsspiel wiegen. Sehen wir dann am Wochenende. 🙂

 

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.