Nach Paris: Refugees still welcome?

Paris hat eine schlimme Nacht der Gewalt erlebt. Die Anteilnahme ist weltweit groß. Wer gestern in die sozialen Netzwerke geschaut hat, wurde nahezu erschlagen von Beiträgen der Anteilnahme. Da muss die Frage erlaubt sein, warum diese Attentate so viel mehr Mitgefühl hervor rufen, als wenn beispielsweise in Algerien Selbstmordattentäter wüten. Es wird – zumindest unterbewusst – damit zusammen hängen, dass nicht nur die Toten und ihre Angehörigen betrauert werden, sondern die Tatsache, dass es so nahe war, dass es dann auch einen selbst oder einen geliebten Menschen hätte treffen können. Dies ist nun gar nicht so sehr als Kritik gemeint und an der Tatsache, dass Menschen Mitgefühl zeigen gibt es sowieso zunächst nichts zu kritisieren. Und es ist schon gar nicht von der Kanzel herab, denn auch bei mir funktionieren diese Mechanismen: Mitgefühl baut sich eben eher auf, wenn man sich in die Menschen hinein versetzen kann, denen etwas schreckliches zugestoßen ist.

Die sozialen Netzwerke zeigen aber auch was anderes: Die üblichen Hetzer kommen wieder aus der Ecke. Vom rechten Rand von AfD, NPD und Erika Steinbach fange ich gar nicht erst an, das ist ja nun gar nicht erwähnenswert. Dass Rechtsterroristen religiöse Terroristen als willkommen Vorwand nehmen ist kaum verwunderlich. Das ist nur die andere Seite der Medaille, auf deren einer Seite der sog. IS steht. Und da gibt es natürlich noch die Islamophoben, die gerne mit Rassisten zusammen auftreten, welche die Schuld in erster Linie im Islam sehen. Was wiederum natürlich völlig albern ist: Der sog. IS hat mit Religion eigentlich gar nichts zu tun. Das zeigt schon die Tatsache, dass weltweit mit Vorliebe Moslems von ihm niedergeschlachtet werden. Andersgläubige sind da derzeit in der absoluten Minderheit.

Was wirklich erschreckt sind die Kommentare von denjenigen Leuten, die politische Verantwortung tragen und teilweise zumindest auf dem Papier nicht eindeutig dem rechten Rand zuzuordnen sind. Beispielsweise der Kommentar von Polens Außenminister, man könne jetzt die EU-Quoten zur Aufnahme von Flüchten nicht mehr umsetzen. Oder der Tweet von Söder „#ParisAttack ändert alles. Wir dürfen keine illegale und unkontrollierte Zuwanderung zulassen“. Irgendwie hat man den Eindruck, diese Nachrichten lagen schon lange in der Schublade und mussten dann nur noch mit dem richtigen Hashtag ergänzt werden.

Matthias Matussek schlägt da in eine ähnliche Kerbe, lässt aber vor allem – wie Erika Steinbach – tief blicken, wenn er deutlich macht, dass er sich ungeheuer über neue „Argumentationshilfen“ freut. Smiley inklusive:

mattussek

(Mittlerweile hat er seinen Smiley übrigens umgedreht)

Dies verwundert allerdings nur auf den ersten Blick , ist Matussek doch selbst religiöser Eiferer und unter anderem in der Vereinigung „Deutschland pro Papa“ engagiert, deren Aufgabe es ist, eine größere Papsttreue zu etablieren. Es scheint ihm unmöglich zu sein, dass jemand, der einer anderen Religion angehört als seine eigene, etwas anderes sein kann als ein Täter.

Und damit kommen wir zur Ausgangsfrage zurück: Können wir Empathie nur empfinden, wenn es um Menschen geht, die direkt nebenan wohnen? Ist es egal, wenn woanders auf dem Erdball Menschen mit ähnlichen Träumen, Wünschen und Problemen abgeschlachtet werden? Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, fliehen vor diesem Terror. Sie wollen ein friedliches Leben für sich und ihre Familien. Wem es also ernst ist mit dem Mitgefühl der Opfer, kann nicht anders als den Flüchtlingen zu helfen. Sie sind unsere Verbündeten im Kampf gegen den Terror. Nicht unsere Feinde.

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.