Diffidati con noi!

Es wurde mal wieder Zeit Google zu bemühen, denn so ein lateinischer Vers macht dieses Blog doch gleich einen Hauch intellektueller, auch wenn es nur das Banner der Nord „Die Verbannten mit uns“ übersetzt.

Ich bin heute Ausnahmsweise mal mit dem Auto ans Millerntor gefahren, alkoholische Getränke waren demnach nur sehr begrenzt zu genießen. Macht auch nix: Zu feiern gabs ja nicht viel. Dabei fing das Spiel extrem gut an. Nette Choreo mit einer Menge Pyro Wunderkerzen auf der Nord und ein gutes Spiel auf dem Platz. Zweikämpfe, die eigentlich nicht zu gewinnen waren, wurden dennoch gewonnen und es gab einige gute Chancen, die erst durch den starken gegnerischen Keeper vereitelt wurden. In Minute 24 war es dann doch so weit. Ein Zauberpass von Choi diagonal auf die andere Seite zu Maier, der dann zu Bernd Nehrig weitergibt und das Ding ist satt drin im Kasten. Mal ehrlich: Hatten wir so einen Pass schon mal seit Saison 12/13?

Alles klar. Das war eine klare Sache heute. Das Ding würden wir ganz deutlich gewinnen. Kein vertun.

…Kam leider doch etwas anders. In Minute 37 kassierten wir ein saublödes Gegentor. Das war ja fast schon um den Ausgleich gebettelt. Wie konnte das denn nach dem tollen Start dermaßen entgleiten? Unfassbar!

Am Millerntor herrscht nicht nur ein hervorragender Fußball-, sondern auch ein sehr guter Musikgeschmack
In der Halbzeitpause der schönste Lichtblick der Partie. Irgendwer war wohl der Meinung, „Last Christmas“ wäre eine super Idee als Beschallung in der Halbzeit. Da der Großteil des Stadions in Buhrufe und Pfiffe ausbrach war der Spuk aber schnell wieder vorbei. Wusst ichs doch. Am Millerntor herrscht nicht nur ein hervorragender Fußball-, sondern auch ein sehr guter Musikgeschmack. 🙂

Zur zweiten Halbzeit war die Stimmung eigentlich wieder ganz in Ordnung: Das Heft hatten ja weiterhin die Boys in Brown in der Hand. Das würde schon noch gut gehen. War mir da recht sicher. A propos: Gute Laune. Umringt wurden wir am rechten Ende der Gegengeraden heute von knapp einem Dutzend Flüchtlingskindern, die ohne Begleitung in Hamburg gestrandet sind und im Stadion von einer sehr freundlichen weißhaarigen Dame betreut wurden. Der (für mich verständliche) Wortschatz beschränkte sich zwar auf „Sankt Pauli!“, „Goal!“ und zum Ende auf „Scheiße“, aber die Begeisterung war ansteckend. Wer auch immer dafür zuständig ist, dass die Jungs ins Stadion gekommen sind: Weiter so. Eine klare Win-Win-Situation für uns alle. Und meine aufrichtige Respektsbekundung an die Begleiterin, die den Sack Flöhe erfolgreich hütete.

Sollte man mit einem grauen Star wirklich ein Spiel pfeifen?
Spielerisch war das in der zweiten Halbzeit leider nicht so ein Leckerbissen. Der gegnerische Torwart spielte ebenso den Spielverderber wie der Schiri. Ich meine – ich finde ja auch jede Form der Diskriminierung falsch, inklusive der Altersdiskriminierung, aber sollte man wirklich noch ein Spiel pfeifen, wenn man den grauen Star hat? Ein (Abseits-) Slapstick-Tor besiegelte leider das Schicksal unserer Mannschaft, und die gegnerischen Fans (Hobbys: Blöde Gesänge und Spieler mit Bierbechern bewerfen) durften ein zweites Mal feiern.

Das war furchtbar unverdient heute und hätte nicht sein müssen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir immer nur blöde Gegentore bekommen, während unsere eigenen Tore immer schwer erkämpft sind. Aber was solls. Wir sind weiterhin weit von den Abstiegsrängen entfernt und überwintern im besten Fall auf dem vierten, im schlimmsten auf dem sechsten Platz. Zu meckern gibts eigentlich nix, wenn man bedenkt, wie die Erwartungen vor der Saison waren. Ein aus tiefsten Herzen kommendes „Ach, Menno!“ sei dennoch angemerkt.

Damit Euch allen schon mal schöne Feiertage, egal ob Ihr nun Gott, Allah, dickbäuchige Mönche oder Nudelsiebe anbetet.

 

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.

One Pingback/Trackback