Fischbrötchen mit Cannabis

Trotz des blöden Termins – Donnerstag Abend – war kaum jemand zu Hause geblieben. Schon die Feldstraße war vor den bekannten Anbietern oraler Befriedigung gut gefüllt. Ich stand auf jeden Fall für meinen Döner ziemlich lange an.

Das Wetter war angenehm, das Bier lecker. Zudem gab sich Stefan Groenveld die Ehre: Jeder, der wollte konnte sich von ihm fotografieren lassen. Ich wollte eigentlich auch, hatte es aber komplett verpennt. Erst im Stadion fiel mir das mit den Fotos wieder ein. Zu spät. Theoretisch ging es nach dem Spiel noch weiter, aber ich wollte ihm und mir nicht zumuten einen lallenden, über die Schiris schimpfenden Fan ablichten zu müssen. Auch wenn ich da vermutlich nicht der einzige war.

Ich hätte mir gerne ein Fischbrötchen ins Ohr gestopft

Mein Platz kurz vor der Nord ist ja oft so eine Art Wundertüte. Der „Touristenanteil“ ist hier deutlich höher als woanders. Man weiß also nie, ob alte Haudegen, oder irgendwelche Marketingfuzzis zu Besuch kommen. Dieses Mal roch es Anfangs ziemlich penetrant nach Fischbrötchen und Cannabis. Eine doch relativ ungewöhnliche Kombination. Kaum war der Fischgeruch verflogen, ertönte die Hymne der Löwen. Puh. Das war gruselig. Eine Mischung aus Marschmusik und hungriger Katze. Das war der Moment, in dem ich mir ein Fischbrötchen gewünscht hätte um es mir ins Ohr zu stopfen. Wenn selbst Helene Fischer als das kleinere Über erscheint ist was faul.

Hier gewinnt nur Rainer 

Unser Stadionsprecher Rainer Wulff feierte heute sein 30stes Jubiläum. Das erklärte dann auch den Banner der Süd „Hier gewinnt nur Rainer„, der mich Anfangs ziemlich irritiert hatte… 🙂 Die Stimmung war dieses Mal unfassbar gut. Wechselgesänge, Anfeuerungen, alles was ein richtig gutes Spiel am Millerntor ausmacht. Selbst die Haupttribüne stand zwischenzeitlich. Kein Wunder: Nach einer Viertelstunde eher defensivem Spiel nahm das Spiel spätestens in der 16ten Minute Fahrt auf. Nach einem Ausrutscher des Gegners rannte Miayichi in den gegnerischen 16er. Anstatt abzuziehen versuchte er in die Mitte zu flanken, was aber abgewehrt wurde. Und während ich noch ob der verpassten Chance fluchte, kam Buchtmann von hinten (Ja, wo kam denn der eigentlich her?) angerannt und semmelte den Ball ins untere rechte Eck.

Geht doch! Song Two. Konfetti im Bier, das volle Programm. Dann fielen die Boys in Brown ein wenig in den Trott der letzten Saison zurück: Nach Führung ging der Mut verloren und es folgte eine Abwehrschlacht rund um den eigenen 16er. Nur das Unvermögen der Münchner Stürmer und – mal wieder – Himmelmann verhinderten, dass der Ausgleich fiel. Dass wiederum kein 2:0 nu befeiern war lag nicht unwesentlich am Schiedsrichter. Satte zwei mal hatte er in der ersten Hälfte bereits ein Phantomfoul des Ballführenden Stürmers gesehen. Beide Male in guter Position den Vorsprung auszubauen. Und wäre das noch nicht genug gewesen gab es kurz vor der Pause einen „falschen Einwurf“, weil er einen Meter zu weit rechts ausgeführt wurde. Ja sind wir hier denn in der A-Jugend?

Mit wie viel Dioptrien darf man eigentlich noch pfeifen? 

In der zweiten Hälfte ist das Spiel wieder ausgeglichener. Die drei Punkte sind im Sack, die Stimmung grandios. Von den Auswärtsfans schallt außer „Scheiß St. Pauli“ irgendwie nichts nennenswertes ins Stadion. Der Schiedsrichter sammelt unterdessen weitere Sympathiepunkte bei Hasan Ismaik. Fouls der Münchner übersieht er gerne mal, auch einen mindestens denkbaren Elfer in der 59sten Minute gegen Bouhaddouz gibt es nicht. Keine 10 Minuten später stürmt ein 60er – Stürmer auf unser Tor. Er stolpert über ein Loch im Rasen, woduch Sobiech un Nehrig den Ball wegspitzeln können. Während ich noch die gute Abwehraktion bejubel, ertönt plötzlich ein Pfiff. In meiner Ecke schauen sich alle ungläubig an: Das kann der doch nicht ernst meinen? Doch, meint er wohl. Lasse bekommt Gelb und der Finger zeigt in Richtung Elfmeterpunkt.

Als der Schiri dann zum Torlinienrichter geht und lange mit ihm diskutiert, war ich mir sicher: Alles klar: Der sagt ihm: Da war nix und es kann weiter gehen. Aber denkste. Der Schiedsrichter bleibt dabei. Das war ein Elfmeter, zieht die Karte gegen Sobiech aber zurück und zeigt sie nun stattdessen Nehrig. Eigentlich ja egal. War kein Foul, da kann man auch frei die Karte verteilen.

Da fragt man sich natürlich, was hatten die da zu besprechen? Welche Hunderasse sich am besten als Blindenhund eignet? Mit wie viel Dioptrien man noch pfeifen darf?

Warum haben wir eigentlich keinen Regenschirmsponsor?
Kurz darauf wurde Sahin eingewechselt und sorgte für einige Unruhe bei den Löwen. In der 76sten war es dann aber Nehrig, der nach einem Freistoß den Ball ins Tor köpfte. Jawoll! Die drei Punkte waren wieder da! Leider hielt der Jubel nicht lang an, denn nur eine Minute gab es den Ausgleich durch Victor Andrade. Ich hätte jetzt ja gerne über den Schiri oder die 60er gemeckert, aber diesmal war alles sauber. Im Gegenteil: Das war leider ein ziemlich sehenswertes Tor. Wie er das da reingeschlenzt hatte, war sehenswert. Das anschließende Trikotausziehen gab natürlich gelb. Anstatt zu jubeln zog es der Torschütze übrigens vor, die Fans auf der Gegen zu provozieren. Kann man machen, ist dann halt blöd.

In Minute 81 gab es dann ein gelbwürdiges Foul vom Torschützen. Sah der Schiri aber nicht. Vier Minuten später gab es dann einen Schlag ins Gesicht und einen angedeuteten Kopfstoß zu bewundern. Dafür gab es auch keine Karte. Weil er dann ja gelb-rot vom Platz gemusst hätte. Oder was auch immer der Grund gewesen sein mochte.

So endete das Spiel dann unentschieden 2:2. Während die Anfeuerung unserer Mannschaft nie gestoppt hatte – verdientermaßen, denn sie alle haben bewundernswert gekämpft, gab es ebenso verdientermaßen Pfiffe für das Schiedsrichtergespann. Sehr vereinzelt flogen auch ein paar Becher.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Finde ich doof. Muss nicht sein. Aber auch der Gedanke: Warum haben wir eigentlich keinen Regenschirmsponsor? Das ist doch echt eine prominente Fläche zu werben.

Der DFB und der FC St. Pauli werden wohl keine Freunde mehr
Soll ich also schon wieder über die Schiedsrichter meckern? Will ich ja eigentlich nicht. Einfach „nur“ schlechte Schiedsrichter, die wenigstens halbwegs gleichmäßig mies sind: Darüber verliere ich ja kaum noch ein Wort. Der DFB und St. Pauli werden wohl nicht mehr die besten Freunde. Zu groß sind einfach die Gegensätze. Auf der einen Seite: Gerade machen, Werte leben und sich auch außerhalb des Fußballs um Andere kümmern. Auf der anderen Seite der DFB: Emotionslose alte Männer, die den Hals nicht voll genug bekommen können und mafiöse Strukturen.

Da ist es vielleicht kein Zufall, dass bei uns auffällig oft die Praktikanten unter den Schiedsrichtern pfeifen dürfen. Es ist ja nicht so, dass alle Schiedsrichter so schlecht sind. Und auch bei Auswärtsspielen ist die Leistung gegen uns im Großen und Ganzen ausgeglichen. Aber am Millerntor kommen irgenwie übermäßig viele Pfeifen zum Einsatz. Beim letzten Heimspiel haben wir ja auch gegen den Schiedsrichter gewonnen. Dieses Mal hats leider nicht ganz gereicht. Ist ärgerlich, aber ein Punkt ist auch nicht wirklich schlecht, auch wenn drei gerecht gewesen wären.

Immerhin: Bis zum nächsten Heimspiel sind es über drei Wochen hin. Vielleicht kann man in der Zeit ja ein paar Schiedsrichter ausbilden.

 

Das Titelbild stammt von Joachim Müllerchen [CC BY-SA] 


Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.

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