A Nightmare on Heiligengeistfeld

Bevor ich Anfange eine Entschuldigung. Die letzte beiden Spiele habt ihr hier leider nicht gefunden. Beim Spiel gegen Ingolstadt war ich schlicht nicht im Stadion (was ich im Nachhinein nicht wirklich bereue) und das Heimspiel gegen die Fortune war ich zwar im Stadion, irgend so ein Schweinehund (oder Hündin) hat mich dort aber offensichtlich mit fleißig Bazillen oder Viren beschossen, so dass ich die komplette nächste Woche mehr oder weniger hinüber war. Und wer will denn schon einen Spielbericht eine Woche später lesen?

Das nur als Hinweis, damit keiner denkt, ich wäre ein Luxusfan, der nur bei Heimsiegen schreibt. Wo wir gerade bei Luxusfans sind: Als ich am Freitagabend mit einer Bratwurst in der Hand vom Harald-Stender-Platz in Richtung Gegengerade schlenderte, wurde ich fast von einem Showpraktikanten über den Haufen gerannt, der es offensichtlich eilig hatte, zum Shrimps-Bereich zu kommen.

Meine Wurst war mir da lieber. Guten Mutes hatte ich mein Fahrrad vor dem Stadion angekettet, durchaus mit Vorfreude, aber auch mit einem mulmigen Gefühl. Weniger wegen dem speziellen Datum: Aberglaube ist im Fußball ja weit verbreitet, mir allerdings eher fremd. Es sei denn natürlich er besagt etwas positives. Beispielsweise so etwas wie: Bei Flutlichtspiel mit Westwind, eine Woche nach einem Orkan gewinnen wir immer: SO WAS gilt natürlich. Unglückstage eher nicht. Was mir mehr Sorgen bereitete war die Tabellenposition des Gegners. Völlig unerwartet krebste Lautern am unteren Ende der Tabelle herum. Leider sind Underdogs so unser Problem. Sowohl in der Liga, als auch im Pokal. Je niederklassiger der Gegner, desto größer die Chance, dass wir das derbe verbocken.

Aus Solidarität mit Babelsberg 03 gab es T-Shirts des Vereins zu kaufen, ich hatte mich vorher schon damit eingedeckt und somit gab es eine ganz persönliche Premiere. Zum allerersten Mal stand ich mit einem Shirt einer anderen Mannschaft auf der Gegengerade. „Nazis raus aus den Stadien“ ist aber natürlich auch sehr kompatibel zum Millerntor.

Zunächst einmal galt es aber die Hymne der Gästemannschaft zu überstehen. Das weckte schlimme Erinnerungen an Schlager des Kegelclubs meiner Eltern in den 80er Jahren. Gut. Kann ja nicht jeder so grandiose musikalische Gesänge wie wir haben. Besser als die Musik waren die Fans des Gegners: Der Gästeblock war rappelvoll, die Roten stimmgewaltig. Alles Notwendige also für ein Stimmungsvolles Heimspiel.

Auf der Bank saßen diesmal relativ viele Spieler, die sonst eher nicht so zum Einsatz kommen. Entweder war die Verletzten- und Länderspielmisere sehr groß, oder unser Trainer erwartete eine schnelle hohe Führung und wollte dann die anderen Spieler einmal testen. Um es vorweg zu nehmen: Dass Azis fehlte, war deutlich zu spüren. Nun auch nicht zwangsläufig ein Hattrick-Gigant, aber gegen die robusten Abwehrspieler aus Lautern eben doch stabiler als Cenk Sahik und Sami Allagui.

Unbeachtet der Tabellenposition stand Kaiserslautern sehr gut auf dem Platz. Kaum eigene Ansprüche an den Ball, aber defensiv doch fest immer an der richtige Position. So war es von Anfang an viel Rasenschach, was wir zu sehen bekamen. Der Gegner versuchte es primär mit Kontern, wir viel zu oft mit hohen Bällen auf Allagui, die eigentlich nie ankamen. Einen Vorwurf kann man Sami gar nicht machen. Da fehlen einfach einige Kilogramm um gegen den bulligen Gegenspieler anzukommen.,

Auch Kaiserslautern versuchte es mit hohen Bällen, hatte vorne aber auch entsprechende Stürmer stehen. Trotzdem kamen sie nicht wirklich gefährlich in die Nähe unseres 16ers. Robin Himmelmann hätte in der ersten Halbzeit eine Autogrammstunde geben können: Da war gar nix zu tun.

In der 10ten Minute spielte sich Sami schön bis in den gegnerischen Strafraum, passte dann schräg in Richtung Mitte zurück, wo dann leider niemand mit braunem Trikot stand. Ähnliches nur fünf Minuten später, als nach einer schönen Kombination von Flum, Sahin und dem heute starken Zander der Ball in den gegnerischen Strafraum geflankt wurde und alle am Ball vorbei sprangen. So etwa ab Minute 17 fing der Schiri an, doch sehr seltsame Entscheidungen zu fällen. Was da alles als „Ball gespielt“ beim Gegner angesehen wurde war schon abenteuerlich. Vor allem wenn man Vergleiche zog, was bei uns abgepfiffen wurde.

In Minute 20 gab es die nächste gute Aktion. Nach doppeltem Hackentrick hatte Buchtmann am Strafraum den Ball am Fuß. In sprichwörtllich letzter Sekunde wurde der Ball noch weggegrätscht. Nur zwei Minuten später war es dann Sami, der am Rande des gegnerischen 16er scheiterte. Wie so oft bei uns: Bis kurz vor das gegnerische Tor geht es gut, dann hört es leider auf.

Nach einer knappen halben Stunde übersah der Schiri dann ein Handspiel des gegnerischen Abwehrspielers, der uns lediglich eine Ecke einbrachte. Ich muss aber gestehen: Obwohl ich selber nicht weit weg stand, konnte ich das erst beim nachträglichen Schauen der Wiederholung erkennen. Dass das Umholzen unseres Stürmers nur wenige Minuten später im gegnerischen Strafraum nicht geahndet wurde, ist mindestens bemerkenswert.

Fehlte das Ergebnis auf dem Platz, so war doch auf den Rängen dennoch anständig Stimmung. Selbst die Haupttribüne wurde eingebunden, machte diesmal mit, stand auf, und stimmte in den Wechselgesang ein. Irgendwie muss man sich die Zeit ja auch vertreiben, wenn da unten einfach nix passieren will, was als Unterhaltung gelten kann. Zwischenzeitlich wurde unseren Spielern zweimal (ungeahndet) von hinten in die Beine gegrätscht.

In der 36sten Minuten trat der Gegner Cenk mit voller Absicht bewusst auf den Fuß. Gab zwar einen Freistoß, war aber eigentlich eine rote Karte. Na. Man ist ja abgehärtet, was Schiedsrichterleistungen angeht. Überhaupt schien er auch sonst völlig überfordert zu sein.  So war beispielsweise die Position, von der ein Freistoß geschossen wurde nur dann abhängig davon, wo das Foul begangen wurde, wenn der Freistoßschütze das zufällig wollte. Eigentlich war das freie Auswahl, 20 Meter Differenz war da mehr die Regel als die Ausnahme. Sowohl beim Gegner, als auch bei uns.

Das war dann aber fast egal, als Allagui nach einem Pass vor Cenk alleine vor dem gegnerischen Torwart stand. Jetzt nur noch schießen und…. leider drüber. Das gibt’s doch nicht! Hat der sich in Sami Nöthe umbenannt? Der kann das doch eigentlich!

Und so ging es dann torlos in die Pause. Wenig Fehler gemacht von den Boys in Brown, aber auch nicht wirklich zählbares geleistet. Ein Fußballfest sieht auf jeden Fall schon mal anders aus. In der Halbzeitpause wurde dann zum ersten Mal Musik von Slime akustisch und optisch auf der Anzeigetafel gezeigt. Die Rentnerkombi ist ja durchaus St. Pauli – Kompatibel. Dennoch habe ich unsere Antifa Hooligans vermisst. Insbesondere auf Grund der Tatsache, dass bei diesem Heimspiel eine Soli-Aktion mit Babelsberg 03 lief.

Die zweite Halbzeit startete dann sehr druckvoll von unserer Seite. Die Fouls der Gegner häuften sich, auch die geahndeten und in nach fünf Minuten wurde dann auch die längst überfällige gelbe Karte erstmals gegen den Gegner gezogen, als dieser Buchti auf dem Weg zu Tor umgenietet hatte.

Es dauerte dann bis zur Minute 62, als eigentlich Flum elfmeterwürdig gefoult wurde, der Ball zu Allagui kam und aus Reihe zwei auf das Tor hämmerte. Diesmal war es gut, dass der Schiri das Foul nicht sehen wollte: Tolles Tor! Und nicht gerade einfach zu schießen. Was habe ich das den Jungen gegönnt. Und uns natürlich sowieso.

Gleich im Anschluss wurde Mats eingewechselt und er zeigte sofort wieder sein quirliges Spiel um den Gegner schwindelig zu spielen. Der Gegner spielte jetzt wütend nach vorne, wir lauerten auf und bekamen Konter. Sami drehte jetzt richtig auf. Das hatte offensichtlich etwas freigesetzt. Unsere nächste Torchance kam aber von Mats Møller Dæhli in Minute 73. Der war eigentlich drin. Wäre der gegnerische Keeper diese Woche zur Maniküre gewesen, hätte der Ball im Netz gezappelt. So aber reichte es nur für eine Ecke.

Und so kam es wie es kommen musste: In Minute 77 stand es nach einer Ecke plötzlich 1:1. Kein einziger Torschuss, aber trotzdem ein Gegentor. Verdammte Tat.

Danach sah das Spiel wieder vor für dem ersten Treffer aus. Lautern stand mit Mann und Maus und fünfer-Kette in der eigenen Hälfte und verhinderte recht effektiv unsere Angriffsbemühungen. Und so endete das Spiel mit einem mauen Punkt.

Klar. Wir sind schlechteres gewohnt am Millerntor diese Saison. Aber gut fühlt sich das nicht an. Wir hätten den Sieg verdient gehabt. Vielleicht war das ja wenigstens der Korken bei Sami, der uns in Zukunft schöne Tore beschert. Um es positiv zu sehen eine stetige Steigerung bei Heimspielen. Dann müsste also nächstes Mal mindestens ein 1:0 drin sein.

 

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.