Eine halbe Bokalsensation

Es gibt ja ein paar Gesetzmäßigkeiten beim FC St. Pauli. Eine davon ist, dass wir in der ersten Runde vom DFB-Pokal rausfliegen. Dennoch wollte ich mir dieses Spiel nicht entgehen lassen. Und zwar gleich aus mehreren Gründen:

Spätestens mit Ausscheiden werden ehemalige erfolgreiche St. Paulianer in den Heldenstatus erhoben.
Erstens haben wir mit Ewald endlich sowas wie eine kompakte Abwehr. Und so schwang doch zumindest so etwas wie Hoffnung mit, wir könnten das diesmal packen. Außerdem ist das natürlich immer ein Spektakel. Gerade Abends, bei Flutlicht. Und drittens kamen ein paar alte Sankt Paulianer zu Besuch. Die 17 war da und wurde standesgemäß mit „Fabian Boll, Fußballgott“ von der Gegengeraden begrüßt, dass das Interview mit Rolf Fuhrmann kaum zu verstehen gewesen sein dürfte. Und auch unser ehemaliger Präsident, der – obwohl ihm seine Eltern den Namen eines Müsliriegels verpasst haben – seinen Weg auf St. Pauli und in die Herzen der Fans gemacht hat, gab sich die Ehre. Corny Littmann und Fabian Boll bestätigen eine weitere Gesetzmäßigkeit am Millerntor: Spätestens mit Ausscheiden werden ehemalige erfolgreiche St. Paulianer in den Heldenstatus erhoben.

 

Als wenn Lasse doch heimlich aufs Spielfeld geschlichen wäre
Was natürlich absolut vernünftig ist. Der nächste Anwärter auf den Heldenthron hätte Ratsche werden können. Sein Tor war traumhaft. Auch sonst war sein Spiel technisch wie immer hochwertig, diesmal aber sogar ohne, dass er es denn mal übertrieben hätte. Besonders angetan war ich aber (wieder einmal) von unserer Abwehr in der ersten Halbzeit. Eigentlich fast immer ganz souverän wurden die Bälle geklärt und die hohen Flanken wurden alle herausgeköpft, als wenn Lasse doch heimlich aufs Spielfeld geschlichen wäre.

Gut gelaunt gings in die Halbzeitpause. Und dann kamen die fatalen Worte von meinem Stehnachbarn Daniel: „Wenn wir jetzt 10 Minuten gegen den Druck standhalten kann das was werden„. Haben sie leider nicht. Denn es folgte die große Traoré-Show. Der Junge ist schon verdammt flott. Ich habe am Millerntor nicht viele gesehen, die Buballa einfach mal so davon rennen. Gepaart mit technischer Finesse und einem guten Abschluss stand es schnell plötzlich 1:2. Und mit dem 1:3 war dann der Drops komplett gelutscht. Dennoch haben sich unsere Jungs nicht aufgegeben. Das fand ich bemerkenswert. Der Anschluss wäre mehr als einmal drin gewesen. Aber wie das so ist, wenn man alles nach vorne schmeißt, kommt halt der fast unvermeidliche Konter und das 1:4 fällt.

 

Mit „Rothosen“ konnte das ja auch nix werden
Natürlich finde ich es (mindestens) schade, dass wir nach einer tollen ersten Halbzeit nicht belohnt wurden. Aber der Mannschaft kann man eigentlich keinen Vorwurf machen. Selbst bei den Gegentoren waren keine echten Fehler aufgetreten. Der Gegner (insbesondere Traoré) war einfach bärenstark und nicht zu halten gewesen. Man hätte bereits nach 45 Minuten abpfeifen sollen, wie Stefan Groenveld völlig zu Recht bemerkte.

Vermutlich war es aber auch einfach unvermeidlich, denn wenn wir schon in roten Trikots auf den Platz gehen: Mit „Rothosen“ kann das ja nix werden. Dafür wars aber dann doch ganz ordentlich 🙂

 

 

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.

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