Das Ende der Stille

Puh. Das war eine lange Zeit. Sommerpause. Braucht doch kein Mensch. Vor allem nach der schönen Rückrunde hätte es gerne weiter gehen können. Abstiegskampf? Wir? Kann gar nicht sein. Muss schon Jahrzehnte her sein.

Das erste Auswärtsspiel der Saison war vielversprechend. Vom Ergebnis und auch von Spiel her. Gegen Stoke City sowieso.

Jetzt also endlich das erste „richtige“ Heimspiel. Gegen dieses Fahrradzubehör. Dünamoh. Montag Abend, Dom, Flutlicht: Ja. Haut hin. Ehrlicherweise ist Montag Abend eher nicht so mein Ding, aber sonst: Alles in Ordnung.

Das Stadion war nicht bis zum Rand gefüllt, knapp 1000 Zuschauer fehlten, was nicht unerheblich daran lag, dass viele Auswärtsfans die personalisierten Tickets nicht übermässig toll fanden und mit Boykott reagierten. Außerdem ist halt Montag und auch die Ferien machten sich deutlich bemerkbar. Der Kinderanteil im „Familieneck“ auf der Gegengeraden war deutlich geringer als sonst.

Der Lautstärke tat das keinen Abbruch. War das schon immer so laut gewesen am Millerntor? Haben meine Ohren sich in der Sommerpause auf geringere Dezibel-Zahlen eingestellt? Das war ja furchtbar! Ach. Nö, eigentlich doch eher grandios. Gleich wieder mittendrin, als wäre man nie weg gewesen.

Dazu kaum neues Personal. Neuer Trainer, ja. Aber irgendwie ja auch wieder nicht. Eigentlich hätten wir einen Langweiligkeitspokal verdient, was unsere Trainerentscheidungen angeht. Wo sich anderso gezofft wird, ist bei uns fast unheimliche Harmonie.

A propos Harmonie: Es gab zwei Verabschiedunen: Sören Gonther war bei den Gästen zu finden und Dennis Rosin wurde nach – wohin auch sonst – Werder Bremen verabschiedet. Insbesondere die Verabschiedung von Gonther hätte ich etwas ruhiger erwartet. Sicher: Ausgepfiffen wird bei uns (fast) nie, aber ausgerechnet zu Dresden? Der Applaus war aber kaum leiser als bei Dennis. Im Gegenteil: Bei der Aufstellung des Gegners wurde sein Name ständig reingebrüllt.

Auf dem Spielfeld war es dann mit den Freundlichkeiten schnell vorbei. Nehrig sammelte sich schon in der ersten Minute die gelbe Karte nach einem Foul ab, die Dresdner brauchten da acht Minuten länger für.

Gerade zu Anfang war Dresden am Drücker. So richtig viel wollte bei uns nicht gelingen. Und vor dem gegnerischen Tor fehlte der Mut. Hin- und Her-gepasse, anstatt einfach mal mutig draufzubrezeln.

Um so überraschender, aber natürlich keineswegs unerfreulich dann das 1:0 in Minute 22. War nicht mit zu rechnen gewesen, aber beschwert hat sich meines Wissens niemand. Wenn die neue Saison schon mit einem Führungstreffer anfängt, kann das ja schon mal kein schlechtes Omen sein.

So richtig habe ich dem aber nicht getraut. Ich alter Miesepeter musste ja unbedingt: „Also durch ist das noch nicht“ von mir geben, was dann auch flugs zum Gegentreffer führte.

Wie uncool. Dabei waren wir nach dem Führungstreffer eigentlich besser ins Spiel gekommen. Das konnte ja noch heiter werden.

Das Spiel war stellenweise etwas verfahren, die Dresdner legten sich ständig auf die Backen, nicht immer waren es Schwalben, manchmal rutschten sie auch einfach auf dem nassen Rasen aus. Was den Schiri aber nicht daran hinderte ständig abzupfeifen und selbst dann Freistoß zu geben, wenn der nächste Braun-Weiße Meter entfernt stand.

Überhaupt hatte er das Spiel nicht sonderlich im Griff. Es wurde über Freistoßpositionen diskutiert, taktische Fouls blieben ungeahndet und selbst das bewusste werfen des Balles aufs Spielfeld durch einen gegnerischen Spieler blieb nachher ungeahndet. Komplett überfordert.

So richtig böse Klopper brachte er zum Glück nicht zu Stande, so dass keine Tore auf seine Kappe gingen.

Aber auch ohne Schiri-Unterstützung waren die Dresdner die bessere Mannschaft in der ersten Halbzeit und mit dem Ergebnis war ich mehr als zufrieden.

Der Pausentee wurde mit einigen Bannern verkürzt: Da war offenbar viel aufzuholen, denn die Banner wechselten schnell. Thematisch ging es var allem um den DFB, die Flora und was da so alles dazu gehört. Überraschenderweise kein direkter Kommentar zu den Polizeieinsätzen beim G20 (falls ich das nicht übersehen habe).

In der Pause gab es dann wohl die richtige Ansprache, denn danach nahmen wir das Heft in die Hand. Dresden kam kaum noch zum Zuge und vor allem ab Minute 60 waren wir drückend überlegen. Und als dann in Minute 69 erneut der Führungstreffer gelang, war das diesmal aber sowas von verdient. Wieder mal Buchti, diesmal nicht ganz so hübsch, aber wer will sich denn beschweren… Es gab auch genug Chancen vorher schon. Verdient. Sowas von.

Dann fiel das 3:1 und die Sache war gelaufen. Nun, zumindest für ein paar Minuten. Während wir uns auf Song Two vorbereiteten, hatte da wohl jemand ein Abseits gesehen. Stattdessen dauerte es gerade mal 4 Minuten bis der Gegner ausglich. Gefühlt war er das erste Mal überhaupt in unserer Hälfte. Kein schönes Ding, schlecht abgewehrt von Robin. Aber wen kümmert das schon. Zählt ja trotzdem als Tor. Mist!

Ab jetzt fielen die Dresdner weiter reihenweise um, aber nicht mehr (nur) um Zeit zu schinden, sondern weil sie Wadenkrämpfe bekamen. Was machen die eigentlich im Training? (sprach der dicke alte Mann mit dem Bier in der Hand…)

Cenk wurde dann auch noch kurz vor Schluss eingewechselt und verwirrte die Abwehr ziemlich effektiv. Reichte dann aber leider doch nicht. Vielleicht sollte er mal etwas früher rein kommen. So blieb es am Ende nach lächerlichen drei Minuten Nachspielzeit beim 2:2.

Nix halbes und nix Ganzes. Wenn man die erste Halbzeit mit zählt, vielleicht sogar gerecht. Aber schöner wären drei Punkte schon gewesen. Andererseits: Last-Minute-Treffer gegen uns kenne ich auch zur Genüge aus der letzten Saison.

Spielerisch war ich größtenteils zufrieden. Das war die letzte Saison durch deutlich „gurkiger“. Außerdem: Vier Punkte sind vier Punkte. Die nimmt uns keiner mehr weg.

 

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.