Menschen, Tiere , Sensationen

Tag 1 nach Derby. Kann das überhaupt gut gehen? So Stimmungstechnisch und von Einsatz her? Und noch gegen eine Mannschaft aus den Abstiegsplätzen der Tabelle. Na, das konnte ja was werden, zumal wir gegen „die da unten“ oft eher mies aussehen.

Das Derby war dann auch irgendwie Schuld, das zum letzen Heimspiel hier nichts zu lesen war. Das war halt mitten in der Woche und als ich endlich dazu gekommen bin, aufzuschreiben, wie sich das angefühlt hat, war auch schon Derby. Und – ganz ehrlich: Spätestens ab dem Zeitpunkt interessierte kein Schwein mehr, was im vorherigen Spiel so ablief. Mich eingeschlossen. Zum Derby nur so viel: Ich habe Cenk mindestens 5 Mal verflucht, nur um ihm kurz vor Schluss in den Gottstatus erheben wollte. Wenn- ja: Wenn das Ding reingegangen wäre. Aber mal echt: Wer hätte gedacht, dass der HSV so schwach ist und wir eigentlich das Ding hätten gewinnen müssen? Bleibt dabei: Wir sind weiterhin ungeschlagen im Derby.

Doch zurück zum heutigen Spiel: Eine Mannschaft von „janz weit wech“, da wird es schwer, die Motivation zu finden. Vor Spielbeginn gab es aber erst einmal Wandertag. Ein großer Teil des Heiligen-Geist-Felds war durch Zirkus Krone belegt, ein weiterer großer Teil war abgesperrt. Vermutlich bauen die da eine Fußbodenheizung oder so. Jedenfalls musst eich zunächst zum Frühstück zu Emmioglu in die Feldstraße ganz außen herum latschen. Zurück dann wieder ein weiter Marsch. Weil wegen den ganzen Absperrungen die Gegen wegen der Schlange zur Nord kaum erreichbar war, musste ich erneut komplett umkreisen. Immerhin erlebte ich so ein Novum: Der Mann von der Einlasskontrolle musste dringend mal aufs Klo. Und bekam deshalb erst einmal einen kräftigen Anschiss bekam. Das hatte schon ein wenig was vom Kindergarten. „Warum hast Du nicht vorher Bescheid gesagt?“ 🙂

Als ich dann endlich im Stadion war, war das Lied der Gäste schon vorbei. A propos Gäste: Besonders viele hatten den Weg nicht wirklich ins Stadion gefunden. Kein Wunder bei der Entfernung. Und dann noch am Sonntag. Macht auch nicht nur Spaß.

In der Startelf war Miyaichi zum ersten Mal dabei. Herzlich willkommen zurück Ryo! Und der machte auch von Anfang an mächtig dampf. Kein warm werden, sondern er war sofort eine qualitative Stärkung der Mannschaft. Er lief Verlaat ständig davon. Saumäßig schnell und noch dazu technisch eine Augenweide. Das sah teilweise nach Billard aus. Und die Lücke für den Pass in den 16er fand er auch (fast) immer. Überhaupt startete die Mannschaft sehr mutig und sehenswert. Sie pressten früh und bekamen einige Chancen beim Lauf in Richtung Nord, die strahlende Sonne mehr oder weniger im Rücken. Es gab viele gute Angriffe bis in den 16er, in Minute 10 wurde Knolls Ball nur so gerade eben vom Keeper aus der Ecke gefischt. Es folgten einige „so gerade eben nicht angekommen“ – Pässe. Das war alles sehr schön anzusehen, während die Abwehr keinen Grund zur Erwähnung lieferte. Das war schlicht solide und ohne Fehler.

In Minute 12 zeigte der Schiri zum ersten Mal die Pappe. Alles was nur ansatzweise nach taktischem Foul aussah, wurde konsequent mit Gelb geahndet. Teilweise fand ichs etwas kleinlich, aber da es meist für uns war, war ich eher einverstanden. 🙂

In Minute 15 wurds zum ersten Mal nach eime Konter kritisch für uns. Robin konnte gerade noch am Rande des Strafraums mit dem Kopf klären. Nur eine gute Minute später legte Jerry ein schönes Solo vor dem gegnerischen Tor hin und passte zu Diamantakos, der gar nicht anders konnte, als den Ball ins Tor zu schieben.

Danach wurde es etwas mau. Das war wie ein Déjà – vu: Wie in schlechten Zeiten wurde das Spiel plötzlich deutlich schlechter. Und die beste Chance, die wir hatten, als Diamantakos alleine auf dem Weg zum Keeper war wurde uns vom Schiri wegen Foul weggepfiffen. Lernt man das mit der Vorteilsregel nicht mehr in der Schiri-Schule? Ansonsten war es leider recht öde. Wir machten nicht mehr viel, der Gegner konnte damit aber auch nicht viel anfangen. Das färbte auch ein wenig auf die Tribüne ab. Klar war Stimmung da, aber das war auch schon mal lauter. Es wurde auf jeden Fall sehr viel gesabbelt, weil auf dem Platz einfach nicht viel spannendes passierte. Da Spannnendste war noch die Bandenwerbung: „Lieber in Cola baden, als in Sand hausen“. Wenn auch vermutlich etwas klebrig.

So ging es dann mit dem 1:0 in die Halbzeitpause. Das war schon irgendwie ein verdientes Ergebnis. Zwar machten wir nix mehr, der Gegner brachte aber halt auch nix zu Stande. In der Pause gab es dann mehr oder freundliche Grüße an Grote von der Süd.

Leider wurde es in der zweiten Hälfte nicht wirklich besser. Natürlich kann man ein Ergebnis auch mal verwalten, aber eine ganze Stunde? Zudem kam Sandhausen jetzt auch besser ins Spiel. Das kann doch nur schief gehen. Zunächst einmal hatte Buchti in der 60sten Minute das Tor auf dem Fuß. Der Keeper stürmte aber gerade noch rechtzeitig raus und entschärfte den Pass.

Doch irgendwann kam dann die Strafe für die Passivität: Nach einem Freistoß lag der Ball plötzlich im Netz. Stille im Stadion. Komischerweise waren nicht einmal die Gästefans zu hören. Waren jetzt alle eingepennt? Nur eine Minute später stand es fast 1:2. Behrens stand völlig frei vor Himmelmann, schaffte es zum Glück aber nicht das Tor zu treffen. Da war jetzt richtig Stunk in der Hintermannschaft. Himmelmann schiss die Abwehr zusammen, die meckerte untereinander uns selbst Nehrig beim Aufwärmen motzte mit rum.

Das sah ehrlicherweise mehr nach einer Niederlage als nach einem Sieg aus. Und auf einmal straften sie meine Gedanken lügen. 10 Minuten vor Schluss drehten unsere Jungs auf einmal auf. Warum erst jetzt? Das hätte man doch alles viel früher lösen können. Zugleich bekamen aber auch die Gäste mehr Räume. Das war jetzt ein Spiel, bei dem beide Mannschaften auf Sieg spielten.

In der 90sten Minute leitete der eingewechselte Veerman mit einem Hackentrick auf den ebenfalls eingewechselten Allagui weiter. der das Ding dann im Tor versenkte. Doppelter Joker. Nur bedingt verdient, aber wer will sich denn beschweren? Ich nicht. Genauso wenig wie über das Tor in der Nachspielzeit von Buchti, dass Neudecker eigentlich schon versemmelt hatte.

Tja. Auf dem Zettel sieht das mit 1:3 ziemlich klar aus. Ehrlicherweise wäre ein Unentschieden das gerechtere Ergebnis gewesen. Aber der Fußballgott darf ja auch gerne mal auf unserer Seite stehen.

Und was heißt das für die Länderspielpause? Nur ein Punkt bis zum ewigen Derbyverlierer. Aber warum so klein denken? Einen Platz und drei Punkte besser als die Bayern. Kann so stehen bleiben.

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.