Dreckiger Klassenerhalt

Ja. Nützt ja nix. Heute schreibt vermutlich jeder vom Klassenerhalt. Passt aber ja auch. Mehr Punkte als letztes Jahr. Noch ein paar Spiele vor uns: Das sollte reichen. Aufstiegskalkulationen verbieten sich im Übrigen weiterhin. Da bin ich ganz bei Ewald. Da würde die nächste Saison kaum Spaß machen. Hinzu kommt, dass unsere Spieler derzeit heiß begehrt sind. An Ratsche soll ja angeblich Werder dran sein. Als Feind des Feindes habe ich ja eigentlich Sympathien für den Verein an dem Fluss, der einen großen Bogen macht (er wird wissen, warum), aber wenn ihr uns Ratsche auch noch klaut wars das mit Daumen drücken. Dann hauen wir Euch in der Relegation raus. Wär ja noch schöner!

Aber zum Spiel. Gefühlt mitten in der Nacht sollte Braunschweig am Millerntor empfangen werden. Dank Wurzelbehandlung vom Dienstag fand ich mich leicht gehandicapped auf der Gegengerade ein. Auf dem Weg dorthin an massenhaft Wasserwerfern vorbei. Mal ernsthaft: Wann gabs denn zu Letzt mal richtig Stress, dass die neuerdings immer dermaßen Geschütze auffahren müssen. Rosten die Dinger unter dem Arsch weg, wenn die nicht bewegt werden oder warum  immer wieder aufs Neue dieses alberne Muskelspiel?

Eine Mischung aus nasser Hund und Opa
Aber das nur am Rande. Auf dem Vorplatz hatte dieses Mal Sponsor Congstar was zu verschenken, respektive zu verlosen. Bei Leipzig gäbe es wohl einen Mini mit Dose auf dem Dach zu gewinnen, unsere Variante finde ich da irgendwie spannender. Ein alter Ford Kombi „Turnier“ gabs zu ergattern. Wobei ich ehrlich gestehen muss, trotz des „Kultfaktors“: Eine alte Karre, die vermutlich nach einer Mischung aus nassem Hund und Opa riecht und dabei knappe 50 Liter pro 100km verbraucht würde vermutlich direkt nach mobile.de weitergeschoben werden von mir 🙂

Die Gefahr des Gewinnens besteht aber ohnehin nicht, denn ich hatte schlicht kein Bock die Postkarte auszufüllen. Stattdessen ging es erst einmal zur Bratwurst. Wurzelbehandlungstechnisch kann ich attestieren: Bratwurst geht, das beigelegte Brötchen in Gummi-Konsistenz schmeichelt dem Backenzahn hingegen nicht wirklich. Wir sind aber ja nicht zum Vergnügen Essen hier, sondern um den magischen FC anzufeuern. Also ab ins Stadion, wo heute fast keine Schlange zu sehen war. Innen war das Bild ähnlich. Eine halbe Stunde vor Anpfiff war es noch relativ leer. Kein Wunder bei diesen Anstoßzeiten.

Unfassbar, was wir da mittlerweile für eine Qualität auf der Bank haben
Die Tribüne war nass vom Regen, glücklicherweise schienen aber alle Regentänze zu diesem Zeitpunkt ausgetanzt gewesen zu sein: Der Himmel sollte trocken bleiben. Bis zum Anpfiff füllte sich das Stadion etwas mehr, ein paar Hundert mehr hätten am Ende aber schon hineingepasst. In der Aufstellung gab es dieses Mal einige frische Namen zu bestaunen. Joel Keller durfte zum ersten Mal von Anfang an am Millerntor spielen, auf der Reserve gab es einige Namen, die entweder nicht, oder lange nicht mehr zu sehen waren: Yannick Deichmann, Dennis Rosin und auch Okan Kurt waren nach langer Zeit mal wieder auf der Bank.

Um es Vorweg zu nehmen: Joel machte ein unaufgeregtes, sehr gutes Spiel da in der Abwehr. Unfassbar, was wir da mittlerweile für eine Qualität auch auf der Bank haben. So war Ewald auch nicht gezwungen, Lasse wieder von Anfang an reinzuschmeißen. Das Spiel fand primär im Mittelfeld statt. Spannende Torszenen gab es daher kaum. Nicht wirklich spannend, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber keineswegs wegen mangelnder Qualität. Eher umgekehrt wegen zu hoher Qualität auf beiden Seiten. Beide Mannschaften hatten zu viel Respekt vor dem Gegner, um Offensiv zu viel zu wagen. Robin konnte sich so gut wie gar nicht auszeichnen, genauso wie der Keeper auf der anderen Seite. Der Stimmung schadete das kaum. Das machte wirklich Spaß, auch mal wieder einfach nur die Spieler nach vorne zu pushen, wenn es etwas lau wurde. Und spätestens in der zweiten Halbzeit merkte man, dass da die Kräfte sich dem Ende neigten. Die englische Woche hatte wohl eindeutig Spuren hinterlassen. Gleichzeitig gab es mal wieder diese „Voll geil, aber“ – Szenen. Beispielsweise von Jerry, der sich phantastisch bis in den gegnerischen 16 durchdribbelte und dann beim Abschluss den Ball nur mit gefühlten 2 km/h in Richtung Tor zu bringen. Aber ich bin sicher: Da kommt noch was.

nerviges „Trio mit zwei Brüsten“
Apropos „Spuren hinterlassen“. Es fehlte nicht viel, und es hätte um mich herum eine anständige Keilerei gegeben. Dieses Mal war rechts von mir ein extrem nerviges „Trio mit zwei Brüsten“ unterwegs (um mal einen Serienklassiker ganz furchtbar zu zitieren), die in einer Tour nur am Nörgeln war. Vor allem in der zweiten Halbzeit gingen mir die kräftig auf den Sack. Vor allem auf Verhoeck hatten die sich eingeschossen. Kritik ist eine Sache, und meiner Meinung nach hat Verhoek uns nicht wirklich viel geholfen diese Saison (um es mal vorsichtig auszudrücken), aber wenn in einer Tour völlig homurlos „Renn endlich, Du faule Sau“ gebrüllt wird, muss ich mich schwer zusammen reißen, meine pazifistische Grundordnung zu bewahren. Das ist nicht die Art, wie wir am Millerntor unsere Spieler „motivieren“.

Der schwarzhaarige Kampfzwerg zu meiner Linken hatte da offensichtlich weniger Skrupel. Das Mädel war spätestens ab Minute 65 auf 180. Zehn Minuten vor Schluss semmelte dann Verhoek das Ding aufs gegnerische Tor. Eigentlich nicht gerade Tor des Monats-verdächtig, aber kurz vor dem gegnerischen Keeper dittschte der Ball auf dem Acker auf, hüpfte hoch streifte die Schulter des Torwarts und fiel dann irgendwie ins Tor. Unfassbar. Während ich lautstark Woohoo rausbrüllte, verbesserte das die Laune weiter links nur begrenzt. Was da den Nörglern entgegen gebrüllt wurde möchte ich aus Gründen des Jugendschutzes nicht zitieren. Übrigens: Danke dafür. Ich empfand genau so, war nur nicht in der Lage, das so prägnant zu artikulieren 🙂 Und ich habe die tief empfundene Hoffnung, dass die drei Vögel sich nur aus Versehen EINMALIG in meine Ecke verirrt haben.

Auf jeden Fall machte das Tor den Abend komplett und schaffte es, alles wegzuwischen, was irgendwie die gute Laune limitiert hätte. Bis zum Abpfiff ging es nur noch darum, die wütenden Angriffe der Braunschweiger abzuwehren. Zum Glück klappte das, auch weil Lasse eingewechselt wurde und die hohen Bälle gewohnt souverän rausdrosch.

Man kann halt nicht alles haben
Der Abpfiff war dann also mal wieder eine Erlösung. Viel schmutziger konnte ein Sieg kaum sein. Ein Unentschieden wäre verdienter gewesen, aber who cares? Außerdem: Wenn man als Gästefan primär so kreative Stilblüten wie ein „Scheiß St. Pauli“ zu Stande bringt, dann hat man auch mal einen Schlag in die Fresse verdient. Aufgefallen ist mir, dass nach dem Abpfiff noch einmal so ziemlich alle Spiele Verhoek geherzt haben. Ganz offensichtlich hat man ihm auf dem Platz das Tor tierisch gegönnt. Könnte sich ruhig mal bis auf die Tribüne rumsprechen.  Ansonsten? Das erwartete schwere Spiel. Keller hat mir wirklich gut gefallen. Da könnte sich was entwickeln. Auch sonst heute mal nicht ein einziger Patzer. Weder groß noch klein. Stehen wir also weiterhin auf Platz vier. Persönlich wäre es mir fast lieber, wir hätten mit dem Aufstieg nix mehr zu tun, damit Ewald sich schon jetzt auf die nächste Saison verbereiten und noch mehr die Jungen einsetzen kann.

Aber man kann halt nicht alles haben 😉

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.