Eine schöne Niederlage

Schon vor dem Stadion war zu spüren: So ein richtiger Zuschauermagnet ist das diesmal nicht. Überall standen Leute herum, die ihre Karten los werden wollten. Üblicherweise ist das anders herum. Dementsprechend war um mich herum auf der Gegengeraden viel Platz, als erstmals weniger als 29.000 Leute das Stadion gefunden hatten. Es war mal wieder knackig kalt. Den Übersteiger in der Hand mit ganz neuen Ansichten von Ewald auf dem Cover (ein Bild, dass sich einbrennt) prophezeihte ich: „Gegen die Absteiger verlieren wir immer“.  Zunächst einmal aber wurde es bunt. Eine schöne Choreo der Gegengeraden mit großem Banner und vielen bunten Luftballons waren schön anzusehen und ermöglichtem so manchen traumhafte Kopfbälle mit den Ballons zu proben. Läuft!

Immerhin live dabei beim Anwärter zum Tor des Monats
Es ging gleich mit hohem Einsatz los. Bei den Paderbornern dabei keine Spur von Unsicherheit. Und auch keine übermäßige Härte. Da hatte ich was anderes vom Absteiger erwartet. In der Abwehr sahen unsere Jungs nicht immer glücklich aus, boten aber auch keine bösen Patzer. Dafür gab es im Angriff einige sehenswerten Szenen. Das war alles in allem ein Spiel, dass Spaß machte anzuschauen. Deutlich offensiver als in den letzten Partien. In der sechsten Minute dann der Nackenschlag. Na immerhin konnten wir beim Anwärter zum Tor des Monats live dabei sein. Der Paderborner Helenius schlenzte das Ding von der Ecke vom Sechzehner unhaltbar in den Giebel. Da kann man keinem einen Vorwurf machen. Weder Abwehr, noch Robin hatten eine Chance, das Ding zu verhindern. Blöd gelaufen

Das wurde aber schnell abgeschüttelt. Bereits nach weiteren vier Minuten stand Jerry alleine vor dem Tor und schaffte es irgendwie, die Ball nicht im Netz zu versenken. Gesänge gab es dieses Mal weniger als sonst, was ich aber weder auf die geringere Zuschauerzahl, noch auf den Spielstand schieben möchte. Die Stimmung war nämlich fast das ganze Spiel über zu gut. Es war einfach zu viel Action auf dem Platz, dass so Nebensächlichkeiten wie Wechselgesänge einfach nicht drin waren. Ich habe das ganze Spiel ganze zwei Mal auf die Stadionuhr geschaut. Da war einfach keine Zeit für. Mal abgesehen vom Spielstand: Das machte richtig Spaß, zuzuschauen. Das war pures Powerplay. Da fehlte eigentlich nur das Tor. Gescheitert ist das meist leider an Jerry. Er war heute leider bei weitem nicht so gedankenschnell wie unsere anderen Spieler. Vor allem Ratsche passte einige gute Bälle in seinen Lauf, die brandgefährlich geworden wären, hätte Jerry eine Sekunde früher reagiert. Man merkte, dass da noch etwas Zeit benötigt wird, bis das alles eingespielt ist.

Nach guten 20 Minuten lagen wir dann plötzlich mit zwei Toren hinten. Gut von außen hereingeflankt. Gut gespielt, aber durchaus nicht unmöglich zu verteidigen. Ärgerlich, denn vorausgegangen waren ein paar gute Angriffe unserer Jungs. Und wieder spielten sie weiter, als sei nichts gewesen. Kurz abschütteln, angreifen. Tore gab es aber jetzt leider wieder nicht und so ging es mit einem extrem unverdienten 0:2 in die Pause.

Der Ball rollte mit 0,332 km/h in Richtung Tor
In der zweiten Hälfte musste dann schon ein Elfmeter her, damit Lasse uns wieder zurück in die Spur bringen konnte. Sollte da noch was gehen? Sollten wir endlich mal ein Spiel erfolgreich drehen? Die bessere Mannschaft hatte ja auch vor dem Anschlusstreffer schon die braunen Trikots an. Es ging weiter primär in Richtung des Paderborner Tores, allerdings gab es jetzt auch immer mehr Konter, die uns gefährlich wurden. Und nach einer Stunde Spielzeit war es dann soweit. Himmelmann kam noch an den Ball, der dann mit gefühlten 0,332 km/h in Richtung Tor kullerte. Aber zum Glück stand ja Ziereis da und musste den Ball nur noch wegtreten. Die Fußballgötter wissen warum das dann nicht passierte. Auf jeden Fall stands jetzt 1:3.

So etwa fünf Minuten war der Frust auf und neben dem Platz zu spüren, dann wurde in beiden Regionen wieder mächtig Gas gegeben. Die Kampfbereitschaft stimmt auf jeden Fall. Eine Viertelstunde später gabs dann auch nach schöner Vorarbeit erneut den Anschlusstreffer. Doch Song Two wollte einfach nicht erschallen. Lag wohl daran, dass Waldi im Abseits stand. Es waren nur noch 10 Minuten auf der Uhr, als Ewald Jerry rausnahm und dafür Fafa einwechselte. Der machte gleich richtig Alarm. Änderte aber leider nichts daran, dass zwei Minuten später eine vier auf der Tafel stand. An einem guten Tag hat Robin den Ball locker.

Jetzt hatte es sichs mit dem Abschütteln. Die Luft war raus. Doch nur drei Minuten später war nach einem Solo von Fafa Waldi allein vor dem Keeper. Erst im dritten Anlauf (Pfosten, Torwart, Tor) war das runde Mistding endlich reingestochert. Und vor allem reingeschrien. Mindestens 50% des Tores ging auf das Stadion. Da konnte der Ball gar nicht mehr anders, als sich den Schreien der Stehplätze zu fügen.

Das Spiel war eigentlich gelaufen, aber das Tor wurde zelebriert, als sei es der Siegtreffer im DFB-Finale. Das war aber echt sowas von verdient. So wirklich glaubte ich nicht mehr, dass hier noch Punkte zu holen waren, aber es machte dennoch Spaß auf den Platz zu schauen. Nach einem 1:4 zehn Minuten vor Schluss noch mal so richtig reinzuhauen: Das zeugt von Charakter. Sowohl von Mannschaft, als auch von den Jungs und Mädels um mich herum.

Eigentlich ein tolles Spiel
Der frische Fafa machte jetzt ordentlich Alarm. Wenn der Junge die Power in den nächsten Spielen mal länger durchhalten kann, kann er noch richtig wichtig werden für uns in der nächsten Zweitliga-Saison. In der Nachspielzeit verewigte er sich auch noch mit einem Kopfballtor in der Spielstatistik. Paderborn bekam ihn überhaupt nicht zu packen. Leider pfiff der Schiri trotz neuer Zeitspielrekorde der Paderborner pünktlich ab.

Punkte kann man sich dafür keine kaufen, aber zum Spielende war ich ungewöhnlich gut gelaunt. Eigentlich hatte ich ein tolles Spiel gesehen. Nur diese blöden Tore fielen auf der falschen Seite. Macht nix. Aufsteigen will ich persönlich nicht. Darum: Alles gut und weiter so. Aber gegen die eisernen im April gerne wieder Punkte.

 

Das Titelbild habe ich völlig schamlos von Jörg Kobelt geklaut 🙂

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.

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