Tolles Spiel vor Rekordkulisse

Das gabs wohl noch nie: Klar ausverkauft ist das Millerntor ja fast immer. Aber über 19 Millionen Zuschauer? Das war natürlich ein Rekord und nur möglich durch Trumps alternative Fakten und das postfaktische Zeitalter. Danke, Merkel Donald!

Das Wetter war weniger heiter gestimmt. Gruseliges Schmuddelwetter nieselte so vor sich hin. Ich war doch einigermaßen gespannt, ob die Neulinge, die heute zu Hauf auflaufen durften denn die erhoffte Verstärkund war oder nicht.

Zunächst einmal aber zeigte Cenk Sahin, dass ihn ein Tor des Monats einfach nicht ausreichte. Mehrere Male zeigte er geniale Einfälle, die nur durch Metallgestänge oder beherztes Eingreifen des gegnerischen Keepers verhindern konnten, dass wir in Führung gingen. Überhaupt war von Anfang nicht zu erkennen, welche der beiden Mannschaften denn um den Aufstieg und welche um den Abstieg kämpfte. Das war eine richtig gute Vorstellung. Kämpferisch und spielerisch sehr stark. Am Abschluss mangelte es weiterhin, aber sonst gefiel mir das sehr gut. Die Stimmung war dementsprechend – trotz des Mistwetters – überwiegend positiv. Lediglich ein paar Vögel, die sich übertrieben auf einen vermeintlich „falschen“ Schal aufregten störten etwas das Bild. Die wurden von meiner Stehplatznachbarin aber dann auch anständig zusammengestaucht.

Das Spiel über ging es relativ fair zur Sache, was Fouls anging, wenn auch die ein oder andere Diskussion aufkam, ob Terode denn von Natur aus immer wie vom Blitz getroffen wurde oder ob das nur bei Fußballspielen auftritt.

Seis drum: Auch in der zweiten Halbzeit machten Alte, Neue und Wiedergekommene (Thy) Spieler weiterhin eine extrem gute Figur. Die neuen waren übrigens teilweise so frisch, dass es nicht einmal für ein Bild auf der Anzeigetafel reichte. Keine Spur von „die müssen sich erst einmal eingewöhnen“. Leider haute das mit dem Tore schießen auch weiterhin nicht so richtig hin und ab Minute 70 schafften es dann die Stuttgarter, auch etwas Ballkontrolle auf den Platz zu bringen und das Heft in die Hand zu nehmen. Und während wir uns darüber unterhielten, ob jemand, der seinen Sohn „Kevin“ nennt, auch automatisch seine Tochter „Jaqueline“ nennen müsse, und ob es denn demnach wohl eine Frau namens „Jaqueline Großkreutz“ geben müsste, fabrizierte Mané einen Sonntagsschuss, der unhaltbar in unser Tor segelte.

Merke: Sonntagsschüsse fallen immer gegen uns. Aufholen konnten unsere Jungs das nicht mehr und so blieb es dann bei einer weiteren Heimniederlage. Sei es drum: Eigentlich will ich gar nicht schon wieder den Zweckoptimisten raushängen lassen, denn „Wenn wir so weiter spielen, dann steigen wir nicht ab“ ist zwar tendenziell richtig, wahr ist aber auch, dass wir dann immer dieses eine blöde Tor bekommen. Auch wenn keiner Schuld ist, wenn alle gut spielen: Am Ende sind es halt wieder 0 Punkte. Und das kann ja auch nicht gut für die Psyche der Spieler sein: Alles gegeben gut gespielt, mindestens ebenbürtig gegen einen starker Gegner aus dem Aufstiegsrennen, aber dann eben doch trotzdem wieder verloren. Dennoch: Das „Wir stehen hinter Euch“ von der Süd kann ich im Übrigen unterschreiben. Wo auch sonst. Das geht ja schon aus praktischen Gründen im Stadion gar nicht anders.

Jetzt müssen also schon mindestens zwei Siege her um mindestens die Relegation zu schaffen. Und die nächsten Gegner – Braunschweig und Dresden – sind auch nicht gerade Leichtgewichte. Aber man wächst ja an seinen Aufgaben, sagt man so schön.

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.

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