Zu früh gekommen

Kalt wars in Hamburg. Trotz tiefschwarzen Wolken trocken, aber dennoch: Kalt. Das Heiligen-Geist-Feld war weiterhin weiträumig abgesperrt war und die Parkplätze entsprechend rar. Notgedrungen musste ich also vom Parkplatz wieder herunterradeln und Richtung Feldstraße mein Glück versuchen, wodurch ich fast mit einem Polizeipferd samt Reiter kollidierte: Das wäre für mich vermutlich schmerzhafter als für den Gaul. Aber echt mal: Wie müssen die zu dritt nebeneinander den Bürgersteig komplett blockieren? Können die sich nicht darauf beschränken, die Straße vollzukacken?

Vor der Gegengeraden war es frisch gepflastert – zumindest war mir der rote Belag vor dem letzten Heimspiel noch nicht aufgefallen. Im Stadion waren einige Plätze frei geblieben, nur gut 29.000 Zuschauer hatten den Weg ans Millerntor gefunden. Und keiner kann wohl so gut Selbstironie wie die Zuschauer am Millerntor. „Hier gewinnt nur einer, St. Pauli und sonst keiner“ vor Anpfiff wird kaum ernst gemeint gewesen sein 🙂

Schon vor dem Anpfiff passte einiges irgendwie nicht so richtig: Die Uhr auf der Anzeigetafel lag ein paar Minuten falsch und – was viel schlimmer war: Die Mannschaft kam bereits zum ersten Glockenschlag zu Hell’s Bells auf den Platz. Das konnte ja gut werden, wenn die jetzt schon pennen. Und das bei einem „Schicksalsspiel“ gegen den direkten Konkurrenten Aue. Ich hatte eigentlich kein gutes Gefühl. Gegen die „schwachen“ Gegner sahen wir immer schon besonders schlecht aus. Und gegen Aue sowieso.

In Minute zwei dann bereits ein Elfmeter für unsere Jungs. 1:0. Puh! Das ging ja gut los. War aber auch etwas zu früh für meinen Geschmack. Zu oft haben wir nach Führung richtig schlecht gespielt. In der Folge ging es aber zunächst ganz anständig weiter, auch wenn man schon merkte, dass Bouhaddouz vorne fehlte. Nach eta 38 Minuten stand es dann aber dennoch – obwohl wir einige wirklich gute Chancen hatten – 1:1. Ein – man kann es kaum anders ausdrücken – Traumtor. Mit der Hacke ins Eck. Da war Himmelmann leider machtlos.

Kurz vor der Halbzeit musste dann auch noch Nehrig verletzt das Feld verlassen. In der Halbzeitpause wurden dann Fotos von Kürbissen geteilt. War irgendwie auch nicht wesentlich unspannender. Denn seien wir ehrlich: Das war nicht unbedingt ein Spiel auf übermäßig hohem Niveau. Ebenfalls zur Halbzeitpause gab es einige Solidaritätsbekundungen für Deniz Naki in Transparentform. Erstens schließe ich mich ihnen ohne Abstriche an, zweitens führte das zu Diskussionen, ob wir den Jungen nicht einfach wieder holen sollten. Qualitativ wäre er sicher derzeit nicht der Beste auf dem Platz. Aber in Sachen Kampf und Herz wäre es eine Bereicherung.

Aber genug der Träumereien, die zweite Halbzeit fing an und das Zittern ging weiter. Zunächst einmal kam Cahin auf den Platz, um den verletzten Nehrig zu ersetzen. Die Qualität in der zweiten Hälfte stieg nun nicht gerade an, spätestens seit Ziereis ebenfalls verletzt vom Platz musste war die Verteidigung reichlich Kopflos. Beim weg bringen des Bieres hörte ich dann die weisen Worte „Wir müssen uns jetzt voll auf den Pokal konzentrieren“. Ich war offensichtlich nicht allein mit meiner Einschätzung, dass das nichts mehr wird, heute. Mit der Einwechslung von Bouadouz wurde es deutlich besser, und in der 73sten hätten wir eigentlich einen Elf-Meter bekommen müssen. Das summierte sich wieder zu den sehr seltsamen Abseitsentscheidungen gegen uns. Zu allem Überfluss hatte sich unser Stürmer durch das Foul im Strafraum auch noch verletzt und humpelte fortan über den Platz.

In Minute 75 gabs dann endlich mal wieder was zu feiern. Der Siegtreffer! Leider im Abseits. Diesmal war es auch eine richtige Entscheidung. So etwa in der 85sten Minute hörte ich ein „Ein spätes Tor wär jetzt gut“. Meine Reaktion war: „Bloß nicht!“. Und? Was soll ich sagen? Ich hasse es, wenn ich Recht behalte. In der Nachspielzeit kassierten wir dann doch noch einen Treffer. Und wie mein Namensvetter Ole neben mir richtig bemerkte: „Irgendwie ist das gar nicht mehr so schlimm“. Im letzten Jahr wäre ich ausgetickt. Diese Saison nehm ich das eigentlich Schulterzuckend zur Kenntnis. Und das ist relativ furchtbar. Auch die gut gemeinte Parolen: „Wir halten auch in Liga drei zu Ewald“ bedeutet ja eigentlich vor allem, dass man nächste Saison Gegner wie Rostock wieder am Millerntor ertragen muss.

Es dauerte dann auch nicht mehr lange bis zum Abpfiff. Unsere Mannschaft hatte die Abschiedsrunde dann dermaßen schnell absolviert, dass nicht mal mehr Zeit für eine anständige Verabschiedung blieb. Nee. Das war nix. Es gab sogar vereinzelte Pfiffe. Was ich von solchen Vögeln halte, brauch ich nicht extra erwähnen.

Wir müssten jetzt eigentlich als Ausgleich im Pokal mindestens bis ins Finale kommen.

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.

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