Neue Saison – neues Liedgut

Das war ja mal wieder kaum auszuhalten. Nach der letzten Saison, die mal wieder viel zu lange viel zu spannend war, war sie plötzlich da: Die Sommerpause. Wochen ohne Fußball, unterbrochen nur durch eine unwichtige WM, die ohnehin kaum mit Spielerbeteiligung des magischen FC war. Über die wenigen bemerkenswerten Aktionen legen wir mal direkt den Mantel des Schweigens.

Und die Wartezeit war diesmal  besonders schlimm. Einerseits ist da dieser Vorstadtsverein, der den Abstieg im dritten Anlauf endlich geschafft hat und nur darauf wartet in zwei Derbys besiegt zu werden. Andererseits ist da das größtenteils gleiche Personal, dass in der letzten Saison mit Ach und Krach den Klassenerhalt geschafft hat, was dem Projekt Derbytripple eher im Weg steht.

Aber seis drum: Das erste Spiel war schon sehr vielversprechend, mit der Erkenntnis, dass es auch „Marvins“ gibt, die uns Freude bedeuten können. War das ein Mörderfreistoß oder was? Müsste ich zwei unangenehme Wahrheiten definieren wären es

1. Standards können wir nicht

2. Spiele drehen erst recht nicht

Beides bereits im ersten Spiel bereits Lügen gestraft. Toll. Und wenn es nur dafür gut ist, dass es diese Saison nicht die fast schon automatische Floskel „Der FC St. Pauli konnte diese Saison noch nie nach Rückstand gewinnen“ mehr von den Sky-Kommentatoren zu hören gibt.

Das ist bei den Heimspielen aber ja eh nebensächlich.  Hört man ja nich auf der Gegengeraden. Erwartungsfroh bei immer noch für Hamburger Verhältnisse viel zu gutem Wetter radelte ich zum ersten Heimspiel der Saison  vorbei am Dom zur Fahrradgarderobe, die noch ein paar Plätze bot.

Unser Hauptsponsor fiel mit netter Bandenwerbung auf: „Hier könnte Ihre Werbung stehen – Tut sie aber nicht“. Deutlich weniger sympathisch war da natürlich die „Wolle Dose kaufen“-Werbung, die auf Twitter vom Verein deutlich kommentiert wurde und nicht wenige dazu bewogen hat, ob eine andere Marke nicht vielleicht besser zum magischen FC passen würde. Ich hoffe, dass der Verein es nicht bei einem Tweet belässt und sich mit dem Sponsor zusammensetzt, da ein Verbesserung durchsetzt oder ggf. auch die Reißleine zieht.

Beim „was dagegen?“ waren auch vereinzelte „Ja!“ – Rufe zu hören. Primär war aber die Vorfreude zu spüren. Pünktlich zu den Gitarren der Höllenglocken gab es dann auch schon die Konfettiparade. Auf dem Platz keine großen Überraschungen,  schon allerdings auf der Anzeigetafel, bei der Marvins Knoll verdächtig wie Schnecke aussah. Unser neuer Riesenholländer Henk war zunächst nicht auf dem Platz. Neudecker durfte von Anfang an ran.

Auf dem Platz war gleich ordentlich Action gegen die Elf aus Darmstadt. Überraschend viel Zunder und erfreulich intensive Zweikämpfe,  in die sich all unsere Jungs reinschmissen und so gute Chancen nach vorne generierten.  Vor dem Tor war das – wie so oft – zunächst nicht übermäßig zwingend, aber der Einsatz sah schon sehr gut aus und machte Spaß beim zuschauen.

Auch auf der anderen Seite gab es Chancen, die aber eher zufällig allerdings deswegen nicht weniger gefährlich. Himmelmann parierte mehrmals grandios. In der Halbzeit gab es dann die „Antifa Hooligans“ fast komplett zu hören. In der zweiten Halbzeit gab es dann auch endlich die verdienten Tore. Erst köpfte Neudecker unfassbar frei stehend den Ball ins Netz. Song Two. Party!

Eine weitere Chance hatte Allagui, der von Mats perfekt angespielt wurde, welcher ja auch schon beim ersten Tor eine Schlüsselrolle spielte. Am Torwart kam er noch gut vorbei, versemmelte das Ding dann aber. Ich sach mal so: Kann man eigentlich auch mal machen. Der Stimmung tat das aber nur sehr kurz Abbruch, vor allem mit der Nord gab es ein paar schöne Wechselgesänge.

Kurz vor Schluss war Neudecker dann wieder im Fokus, er legte auf Buchti quer, der dann lässig einschob. Nach Song 2 erschallte dann durchgehend „Die Nummer 1 der Stadt sind wir“ durchs Stadion. Wer weiß, wann man das mal wieder singen kann… 🙂 Den letzten Höhepunkt setzte dann noch Waldi, der einen Schuss stramm an die Latte nagelte. Reichte aber auch so für den besten Saisonauftakt seit der Saison 09/10… Nein ich will da jetzt keine Parallelen ziehen: Ehrlicherweise glaube ich weiterhin mehr an Abstiegs- als Aufstiegskampf. Trotzdem kaum besser zu malen, dass wir zum diesen Zeitpunkt am anderen Ende der Tabelle als der Verein aus Stellingen stehen. Und das Feuerwerk vom Dom pünktlich zum Abpfiff – diesmal passte einfach alles.

 

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.