Thy Amo!

Ja. Den Titel hat auch der Erik verwendet. Aber was soll ich sagen: Erstens hatte ich die Idee schon früher und zweitens gehören blöde Wortspiele mit Spielernamen ja irgendwie dazu bei Düsseldorf-spielen. Genauso wie vier Tore für St. Pauli. Apropos Gemeinsamkeiten: Beim letzten Spiel habe ich noch orakelt, ob das unschöne Verhalten der Fortunen mit der Tatsache zusammen hängt, dass sie kein richtiges Bier kennen. Und <zack> schon wieder war Bier das Thema.

All Colors Are Beautiful
Aber der Reihe nach: Die Strafe für die Pyroshow beim letzten Heimspiel lautete diesmal: „Sauber Trocken bleiben“. Kein Bier auf der Süd. Immerhin mal kreativ, was sie die Verbrecher Bestecher Korrupten Moralwächter des DFB da ausgedacht haben.  Die Antwort war eine klassische Sankt Pauli – Reaktion. Vor dem Spiel gab es Freibier. Angeblich exakt 1312 Liter. Gezündelt wurde dennoch: Wunderkerzen auf allen Tribünen! Wenn das mal nicht ne Strafe nach sich zieht. Aber egal. „All Colors Are Beautiful“, wie der Engländer sagt, egal ob farbige Pryo oder doch eher einfarbige Wunderkerzen. Ich persönlich fand den Freibierprotest großartig. Die Jungs und Deerns hatten ihren Spaß und es gab keinen Stress. Enttäuscht sind vermutlich nur die Hardliner in der Hamburger Polizei, die auf eine weitere Eskalation „Jetzt erst recht“ gehofft haben. Und natürlich die Bierverkäufer vor dem Stadion. Montags ist aber wohl ohnehin kein Toptag für den Alkoholverkauf.

Eine Stunde vor Anpfiff war eine Menge Hamburger Wetter unterwegs. Es war nass. Gut – keine Sintflutartigen Regenfälle, aber doch nervig genug, dass ich wieder einmal meine Weicheitaktik anwendete und einige Meter weiter nach oben wanderte. Und damit landete ich in einer sehr stimmgewaltigen Gruppe, die zudem auch noch Schlagermusik besser rezitieren konnte, als für einen gesunden Menschen gut sein konnte. Doch dazu später mehr.

Die Stimmung war von Minute 0 an bombastisch. Gar nicht so sehr, weil wir einen grandiosen Sieg erwarteten, sondern einfach nur, weil wir Bock hatten aufs Spiel. Der Regen hatte pünktlich zum Anpfiff auch nachgelassen und nach Hells Bells fingen unsere Jungs auch gleich richtig mit dem Spielen an. Kein Abtasten, sondern gleich richtig gallig zur Sache. Der Schiri ließ eine Menge durch gehen, griff bei bösen Fouls dann aber doch zur Pfeife. Das erlaubte spannende, hart geführte Zweikämpfe, bot aber eine klar Linie. Das führte auch dazu, dass die Fortunen diesmal kaum mit Schwalben arbeiteten.

Die Patzer haben wir hinter uns, jetzt kanns los gehen
Irgendwie passte diesmal bei uns alles: Der Einsatz, die Pässe, die Dribblings, der Gegner konnte sich oft nur mit Fouls behelfen. Bis zur neunten Minute. Da haben unsere Jungs nach einem Freistoß der Fortunen aber mal richtig schön gepennt. Zum Glück nix passiert.

Eine Minute später haute Robin den Ball direkt zum Gegner. Aber auch die Gefahr wurde von unserer Abwehr sauber geklärt. Gut. „Die Patzer haben wir hinter uns“, habe ich mir gedacht, dann kanns ja jetzt los gehen.

Robin hätte die Schüsse aufs Tor gemütlich Twittern können
Ab Minute 10 hatte Robin auch tatsächlich kaum etwas zu tun. Die wenigen Bälle, die aufs Tor gehen, konnte er locker entschärfen oder gingen am Kasten vorbei. Robin hätte die meisten der Schüsse aufs Tor noch gemütlich twittern können, bevor er sich auf den Weg macht. Er hatte aber wohl sein Smartphone vergessen. Das lag nun aber nicht daran, dass dem Gegner der Einsatz fehlte: Der war vorhanden; Man merkte aber klar den Unterschied als Team. Laufwege des Gegners wurden von uns sauber erahnt und so Angriffe unterbunden; So dass schließlich die meisten gegnerischen Spieler ihr Glück in Soli suchten. Doch da war kein Preis zu gewinnen an diesem Tag. Es gab nur einen gegnerischen Spieler, der ernsthaft auf Augenhöhe war: Und das war der Keeper Rensing. In Minute 12 war aber auch er machtlos. Nachdem Daniel Buballa in der eigenen Hälfte einen Pass abgefangen hatte, ging es so schnell nach vorne, dass der Gegner einfach nicht hinterher kam. Dann ein Pass auf Thy, der den Ball fast noch verstolperte, dann aber doch ins untere linke Eck bugsierte. Tor! Song Two! Party! Geht doch, Lenny! Immer schon geackert wie ein Gaul. Hat sich jetzt endlich mal belohnt.

Die Laune der Gäste befeuerte das selbstverständlich nicht, und so was es irgendwie erwartungsgemäß, dass der Knötterkopp Bellinghausen in der zwanzigsten Minute nach mehreren Fouls die gelbe Karte sah. Nichts wirklich böses, aber die Summe machte es.

Das Spiel unserer Jungs veränderte sich kaum. Überlegen in fast allen Positionen hat es richtig Spaß gemacht, mal wieder zuzuschauen. Und dieses Mal sollte auch kein schneller Ausgleich fallen. Im Gegenteil. In Minute 22 krachte es erneut auf meiner Seite. Nach einem Freistoß landete erst der Ball am Pfosten, prallte zurück aufs Feld, und diesmal waren es die Düsseldorfer, die nicht schnell genug auf dem Posten waren. Lenny schon. 2:0!

Schief singen? Das kann ich auch!
Um mich herum wurde schief, aber dafür sehr laut das „Thy Amo“ angestimmt. Schief singen? Das kann ich doch auch! Also habe ich natürlich eingestimmt. Wenn eines Tages Videoaufnahmen auftauchen, dass ich laut einen Schlager mitgesungen habe, werde ich übrigens die Aussage verweigern.

Was ging denn hier ab? Zwei Tore in Halbzeit eins, Zwei von Thy: Das ist doch eigentlich gar nicht möglich. Normalerweise schießen wir doch nur eins pro Spiel. Und Lenny hat meisten Pech. Die ersten zögerlichen „Das wird wie beim letzen Spiel“ kamen schon aus der Ecke, aber nicht wirklich ernst gemeint. Dann kamen endlich wieder bekannte Szenen: Toll herausgespielte Chancen, die „eigentlich“ hätten rein gehen müssen, aber vom gegnerischen Keeper vereitelt wurden. Der hatte in der Tat einen Sahnetag (was eine Menge bei diesem Spielstand aussagt): In Minute 30 stand Thy alleine vor ihm und konnte den Ball nicht versenken, vier Minuten später noch einmal Choi, der mit einem Traumpass im gegnerischen 16er bedient wurde und nur eine Minute durfte Ratsche noch einmal Torwandschießen üben. Basti Maier scheiterte dann kurz vor der Pause ebenso. Bei einem weniger guten Torwart hätte es jetzt schon 5:0 stehen können.

Tell me why I don’t like mondays
Der Halbzeitpfiff war das einzig enttäuschende in der ersten Halbzeit. Ich hätte gerne durch gemacht. Und auch die Fangesänge gingen diesmal bis deutlich in die Halbzeit. Verdammt! Warum musste ausgerechnet Montag sein? Das wäre ein perfektes Samstagsspiel gewesen. So ganz allein war ich mit meiner Meinung offensichtlich nicht. Auf der Nord waren sowohl von uns, als auch von den Gästefans Banner contra Montagsspiele zu sehen. Und aus dem Lautsprecher liefen die Boomtown Rats mit Tell me why I don’t like mondays. Los Fastidos gabs natürlich auch. Scheint sich zu unserer neuen offiziellen Halbzeit-Melodie gemausert zu haben. Gefällt mir außerordentlich und ist aus Überzeugung und sowieso sehr mitsingbar.

 

Kriminelle Zecken-Mischpoke
Anfang der zweiten Halbzeit zogen sich die Boys in Brown kurz in die eigene Hälfte zurück und erlaubten dem Gegner Druck auf zu bauen. Ehrlicherweise bin ich ja eher der Pessimist. Ein 2:1 hätte uns da vielleicht Probleme bereiten können. Aber die Angst war eigentlich unbegründet. Schnell nahmen wir das Heft in die Hand, und die wenigen Konter-Ausreißer des Gegners wurden souverän entschärft. In Minute 55 scheiterte Choi noch knapp am gegnerischen Keeper, doch in Minute 69 war er dann Machtlos, als Thy nach einem Freistoß dann auch noch mal ein Tor mit dem Kopf machen wollte. 3:0! „Song Two“ ging jetzt nahtlos über in „Thy Amo“, was dann wieder nahtlos in ur-hanseatisches Liedgut überging. Aber war ja klar: Diese kriminelle Zecken-Mischpoke musste selbst im Zeichen des Triumphs kriminelle Taten propagieren: „Äppel klaun“ wurde deutlich skandiert.

Jetzt war das Spiel natürlich gelaufen. Ich war mehr mit feiern, als mit dem Geschehen auf dem Platz beschäftigt. Unten wurde allerdings noch nicht gefeiert und so vollendete – natürlich – Thy mit einem 4:0 in Minute 84 eine Braun-Weiße Galavorstellung im Schatten des Doms.

Choi darf noch ein paar schöne Tore zaubern
Der Schiri pfiff dann überpünktlich ab und überließ uns das Feiern, während die Düsseldorfer Spieler von ihren Fans mit Pfiffen verabschiedet wurden. Verstand das schon beim letzten Spiel nicht und werde es wieder nicht verstehen. Die Fortunen waren uns dieses Mal einfach nicht gewachsen, aber der Einsatz stimmte in meinen Augen. Aber egal. Ich muss mir ja nicht den Kopf über die Fans anderer Vereine zerbrechen. Viel wichtiger sind unsere drei Punkte. Ja, bloß drei. Und nicht etwa sechs, wie Ewald später in einer Pressekonferenz bemerkte, als er gefragt wurde, ob er einen „Quantensprung“ gesehen habe. Hat er übrigens nicht. Ich auch nicht. Und das ist gut so, denn es war keine Ausnahme, sondern eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Alle Mannschaftsteile haben sauber gearbeitet. Waldi manchmal etwas zu mutig aber auch mit tollen Aktionen. Ratsche sowieso wieder in allen Belangen überragend, Thy brauch ich nicht zu erwähnen, Robin diesmal fast eingeschlafen, Choi hat auch sehr viel Alarm gemacht und so Thy erst die Freiräume ermöglicht. Die Abwehr sowieso wieder ne eins, auch wenn sie dieses Mal weniger gefordert wurde. Jetzt ist erst einmal Länderspielpause, in der nur Choi noch ein paar schöne Tore im Wettbewerb zaubern darf. Der Rest wird sich ins kleine Nest Dinklage begeben, das Nebendorf meiner alten Heimat und dort den VfL Osnabrück bespielen. Benno Möhlmann kommt übrigens auch aus der Ecke. Mal schauen, ob er scoutet 🙂

Vielleicht sind ja beim DFB bald alle im Knast
Und über die Pause stehen wir auf Platz zwei. Über dem Dosenverein aus Leipzig. Das ist doch mal ein super Gefühl. Wir werden auch wieder verlieren, und – um ehrlich zu sein – hoffe ich das sogar ein wenig. Aber bitte auswärts. Denn einen Aufstieg will ich diese Saison nicht. Zum einen wäre die nächste Saison dann wohl unschön und zum anderen möchte ich am liebsten unsere Spieler komplett wegsperren, damit keiner auf unsere jungen Talente aufmerksam wird. Wäre echt schade drum, wenn die alle von Bundesligisten weggekauft würden.

Apropos Schade: Sehr schade, dass dies ein Montagsspiel war. Vielleicht haben wir ja Glück und beim DFB gibt es bald niemanden mehr, der nicht in Santa Fu sitzt. Dann hört der Mist mit den Montagsspielen vielleicht auf. Und die Strafen wegen Pyro. Der anschließende Bummel über den Dom wäre an einem Samstag auf jeden Fall deutlich ausführlicher ausgefallen. So oder so ging es an diesem Abend ohne Stimme aber sehr glücklich nach Hause.

Das Titelbild stammt von „Superbass “ (CC:BY-SA 4.0) 

Der Trainer war eigentlich schon immer am Millerntor. Meist auf der Gegengeraden knapp vor der Nordtribüne.

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